Begrüßungsgeld gibt es nicht. Und in der Regel auch kein Asyl – das ist Menschen vorbehalten, die politisch verfolgt und nicht denen, die auf der Suche nach einem besseren Leben sind. Das Bundesinnenministerium hat angekündigt, die Asylanträge von Kosovaren im Schnellverfahren abzulehnen. In einigen Bundesländern soll das künftig innerhalb von zwei Wochen geschehen. Tatsächlich dürfte aber kaum ein Asylantrag so schnell bearbeitet werden: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ist jetzt schon ausgelastet, außerdem können Flüchtlinge gegen eine Abschiebung klagen. Und das dauert.

Vergangene Woche setzte der Freistaat Bayern medienwirksam 30 Kosovaren in ein Flugzeug zurück nach Prishtinë. Offenbar sollte da ein abschreckendes Signal gesetzt werden. Vor zwei Wochen reiste Bayerns Europaministerin Beate Merk (CSU) in den Kosovo, um der Bevölkerung klarzumachen: Kommt nicht. Inzwischen fordern einige Mitglieder der bayerischen Staatsregierung, an Flüchtlinge vom Balkan wieder nur Essenspakete und nicht Essensgeld auszuteilen.

Trotz aller Abschreckungsversuche: Die vielen Flüchtlinge, die schon da sind, müssen versorgt werden. In Bayern greift weiter das Winternotfallprogramm – Gemeinden mussten Unterkünfte für Asylbewerber vorhalten. Gerade schlafen 180 Flüchtlinge im VIP-Bereich des Münchner Olympiastadions, direkt unter dem Spinnenweben-Dach. In Bad Tölz wurde ein leer stehendes Kurhotel angemietet, in Taufkirchen bekamen 130 Flüchtlinge Feldbetten in einer Turnhalle zugewiesen. 

Im Kosovo gehörte ihnen ein Haus

In Germering, südwestlich von München, sind im November die ersten Flüchtlinge in ein ehemaliges Altersheim gezogen. Von den aktuell 70 Bewohnern stammen 22 aus dem Kosovo. Enis ist mit seiner Familie gekommen. Am 29. Januar packten sie ihre Koffer, drei Erwachsene, vier Kinder, sie fuhren erst mit dem Bus nach Serbien, liefen dann zu Fuß durch den Wald nach Ungarn. Von dort ging es weiter mit dem "Taxi". Vor der Münchner Allianz-Arena schmiss sie der Fahrer raus und drehte um. Sie riefen selbst die Polizei.

Jetzt rollen die Kinder mit dem Dreirad über den grauen Läufer der ehemaligen Seniorenresidenz. Im Gemeinschaftsraum flimmert eine Fernsehröhre, Enis lümmelt auf einem der Holzstühle. Im Kosovo gehörte ihnen ein Haus, Enis hatte sogar Wirtschaft studiert. "Das Kosovo hat keine Zukunft", schimpft er. "Jeder, der was anderes sagt, lügt." Auch ihn lockten die Versprechen von Arbeit und Wohlstand für alle in Deutschland. Ob er wisse, dass weniger als ein Prozent der Asylanträge aus dem Kosovo anerkannt wird? Enis zuckt mit den Schultern. "Mir ist das egal, ich bin 28, mein Leben ist gelaufen. Aber für meine Tochter werde ich wiederkommen."