Inmitten widersprüchlicher Angaben zum Stand der Atomverhandlungen mit dem Iran sind die Beratungen am Morgen fortgesetzt worden – obwohl die Frist um Mitternacht abgelaufen war. Während Russland und der Iran von entscheidenden Fortschritten und der russische Außenminister Sergej Lawrow gar von einer Grundsatzeinigung "in allen Schlüsselfragen" sprach, wies ein US-Vertreter dies zurück. Noch seien nicht alle Fragen geklärt, sagte er. 

Lawrow verließ die Gespräche am Morgen planmäßig, wie eine Sprecherin seines Ministeriums in Moskau mitteilte. Vizeaußenminister Sergej Rjabkow werde nun die russische Delegation anführen.

Aus deutschen Delegationskreisen hieß es, die Verhandlungen in der Nacht seien "an einigen wichtigen Fragen festgefahren" gewesen. Trotzdem seien "Fortschritte erkennbar". "Nichts ist ausgemacht, aber bei gutem Willen aller ist eine Einigung möglich", hieß es. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) habe mit seinem vorübergehend abgereisten französischen Kollegen Laurent Fabius eine "enge deutsch-französische Abstimmung vereinbart".

Lawrow hatte in der Nacht eine Einigung verkündet

"Wir können mit relativer Sicherheit sagen, dass wir auf Ministerebene eine grundsätzliche Einigung in allen Schlüsselfragen erzielt haben", hatte die Nachrichtenagentur RIA Nowosti den russischen Chefdiplomaten in der Nacht zitiert. Diese Vereinbarung werde nun "innerhalb der kommenden Stunden oder innerhalb eines Tages auf Papier gebracht", hatte Lawrow gesagt. Offiziell verkündet werde das Grundsatzabkommen dann vom iranischen Außenminister Dschawad Sarif sowie von der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini.

Auch Sarif hatte sich optimistisch gezeigt: Es seien "gute Fortschritte" bei den Beratungen erzielt worden. Er hoffe, dass die Arbeit im Laufe des Tages zu einem Ende gebracht werde. Dann könne mit der Verschriftlichung des finalen Abkommens begonnen werden, sagte der iranische Minister.

Eher vage Erklärung erwartet

In Lausanne beraten seit einigen Tagen die Außenminister der UN-Vetomächte und Deutschlands mit dem Iran. Am Dienstag waren die Teilnehmer noch optimistisch gewesen, die Verhandlungen innerhalb der Frist beenden zu können. Dabei zeichnete sich aber bereits ab, dass das Rahmenabkommen kein Durchbruch sein würde, sondern eher eine vage gehaltene Erklärung.

Nach mehr als zehn Jahren der diplomatischen Bemühungen um eine Einigung im Atomstreit mit Teheran wurden die Gespräche bereits zweimal verlängert. Die Verhandelnden hatten sich zuletzt eine Frist bis Dienstag um Mitternacht gesetzt, um ein Rahmenabkommen für Irans umstrittenes Nuklearprogramm zu erreichen. Bis 30. Juni soll ein endgültiges und dauerhaftes Abkommen stehen.

Die fünf UN-Vetomächte und Deutschland wollen sicherstellen, dass der Iran sein Atomprogramm nicht zum Bau von Nuklearwaffen nutzen kann. Die Führung des Landes sagt, man wolle das Programm nur in den Bereichen Energie, Wissenschaft, Industrie und Medizin nutzen, und strebe ein Ende von Wirtschaftssanktionen an.