Die Polizei von Baltimore hat ihre Ermittlungen zum mysteriösen Tod des Afroamerikaners Freddie G. abgeschlossen. Ein entsprechender Bericht dazu sei Generalstaatsanwältin Marilyn Mosby übergeben worden, teilte Polizeichef Anthony Batts mit. Nun ist es an Mosby, Beweise und eine mögliche Anklage gegen die an der Festnahme Beteiligten zu prüfen. Vize-Polizeichef Ken Davis enthüllte später zudem ein Detail, das weitere Fragen zu dem von den Polizisten geschilderten Hergang aufwerfen dürfte.  

Der Polizeivan, in dem der am 12. April festgenommene G. befördert wurde, habe auf dem Weg zur Wache einen weiteren bislang unbekannten Zwischenstopp eingelegt. Dies habe eine "Privatkamera" festgehalten, sagte Davis. Laut der Polizei hatte G. in einer für Drogenkriminalität bekannten Gegend in Baltimore erst Blickkontakt mit einem Beamten aufgenommen und war dann weggerannt. Die Polizisten bekamen ihn zu fassen und legten ihm Handschellen an. Mit hinter dem Rücken gefesselten Händen wurde er an den Beinen in den Polizeitransporter gezerrt, wie Handyvideos von Passanten belegen.

Am 19. April - also eine Woche später - erlag der 25-Jährige schweren Wirbelsäulenverletzungen. Zunächst hatte die Polizei erklärt, der Transporter mit G. an Bord habe einmal angehalten, damit ihm die Beamten Fußfesseln hätten anlegen können, weil er hinten "renitent" geworden sei. Dann habe es noch einen Stopp gegeben, weil der Fahrer eine zusätzliche Einheit angefordert habe, um den Zustand des Festgenommenen zu überprüfen. Später habe der Van nochmals angehalten, um einen weiteren Verdächtigen mitzunehmen. Nun meldete die Polizei, es habe einen vierten Zwischenstopp gegeben, ehe der Fahrer die Beamten bat, nach G. zu sehen. Weitere Details dazu gaben Batts und Davis zunächst nicht bekannt.

Der Tod des Afroamerikaners hat die Debatte über die Art und Weise befeuert, wie Beamte in den USA mit dunkelhäutigen Männern umgehen. Am Mittwoch gingen nicht nur in Baltimore, sondern auch in US-Städten wie New York, Boston und Washington zahlreiche Menschen gegen Polizeigewalt auf die Straße. Die Demonstrationen blieben weitgehend friedlich, nachdem es zu Wochenbeginn in Baltimore gewaltsame Ausschreitungen gab.

Der Gouverneur des Bundesstaates Maryland, Larry Hogan, hatte als Reaktion auf die Krawalle den Ausnahmezustand in Baltimore ausgerufen. Außerdem mobilisierte er die Nationalgarde, die gemeinsam mit Bereitschaftspolizisten in den Straßen patrouillierte. Bereits am Wochenende waren zunächst friedliche Proteste in Gewalt umgeschlagen. Sowohl die Behörden in Baltimore als auch das US-Justizministerium haben Ermittlungen zum Tod von Freddie G. eingeleitet. Sechs Beamte wurden für die Zeit der Untersuchung vom Dienst suspendiert.