Bei seiner letzten TV-Debatte vor den britischen Parlamentswahlen am 7. Mai hat Premierminister David Cameron nach Meinung der Zuschauer am besten abgeschnitten. Der Chef der Konservativen Partei lag in einer ICM-Blitzumfrage für die Zeitung The Guardian mit 44 Prozent vor dem Vorsitzenden der Labour-Partei Ed Miliband, den 38 Prozent als Sieger der TV-Debatte vom Donnerstagabend in Leeds sahen. Bei der Veranstaltung im Norden Englands stellten britische Bürger Cameron, Miliband und dem Chef der Liberaldemokratischen Partei, Nick Clegg, Fragen.

Dabei mussten sich die Kandidaten Vorwürfe gefallen lassen. So trauten Cameron einige Gäste nicht zu, die Gesundheits- und Sozialsysteme zu sichern. Sein Versprechen, die Einwanderung zu begrenzen, sei zudem eine Lüge, warfen ihm Frager vor. Miliband musste sich anhören, seine Wirtschaftsagenda sei fahrlässig. Zudem wurde ihm vorgeworfen, die Unwahrheit über die Ausgabenpolitik der früheren Labour-Regierung gesagt zu haben.

Vize-Regierungschef Clegg wurde gefragt, wie man ihm jemals wieder trauen könne, nachdem er sein Wahlkampfversprechen von 2010 gebrochen habe, die Studiengebühren abzuschaffen. "Da lag ich falsch, ich habe mich entschuldigt", entgegnete Clegg zerknirscht. Nach Amtsantritt der liberal-konservativen Regierungskoalition waren die Gebühren prompt verdreifacht worden.  

Der Ausgang der Wahlen ist laut Demoskopen so ungewiss wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Weder die Tories um Premier Cameron noch die Labour-Partei dürften eine Mehrheit im Unterhaus erringen, die Liberalen könnten die Hälfte ihrer Sitze im Unterhaus einbüßen. Das Zünglein an der Waage könnten diesmal mehrere kleinere Parteien sein. Mit Spannung wird vor allem das Ergebnis der rechtspopulistischen UKIP und der schottischen Nationalisten erwartet.

Trotz der unsicheren Ausgangslage zeichneten die Spitzenkandidaten während der Fragestunde "rote Linien", die sie für den Fall einer Regierungsübernahme nicht zu überschreiten gedenken. Für Cameron wäre das ein Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der EU, das er für 2017 angekündigt hat - sofern er denn wiedergewählt werde. "Ich werde keine Regierung anführen, die nicht dieses Versprechen (Volksentscheid) erfüllt", stellte Cameron klar. Miliband gelobte, dass eine Mitte-links-Richtung unter seiner Ägide die Ausgaben kürzen würde, um das Defizit abzutragen und nicht über ihre Verhältnisse zu leben. Zudem lehnte er eine Koalition oder einen Deal mit der separatistischen Schottischen Nationalpartei kategorisch ab, die in Schottland die meisten Stimmen auf sich vereinen dürfte.