Schweizer Ermittler prüfen nach Medienberichten derzeit Verdachtsmomente gegen einen im Vorjahr festgenommenen Islamisten, der möglicherweise einen Anschlag auf Bundespräsident Joachim Gauck plante. Wie die Berliner Morgenpost und das Onlineportal Der Westen am Samstag schrieben, ist der Verdächtige ein "mutmaßlich hochrangiger IS-Terrorist".

Der 27-jährige Iraker wurde im März 2014 im Schweizer Kanton Schaffhausen am Bodensee festgenommen und sitzt seitdem in Schweizer Untersuchungshaft. Konkret wird ihm "Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht" vorgeworfen. Das Bundesstrafgericht der Schweiz in Bellinzona verlängerte seinen Gefängnisaufenthalt kürzlich auch mit der Begründung, er habe sich selbst als "beliebten und angesehenen Kämpfer" des "Islamischen Staates" bezeichnet.

Er soll über Kontakte zu Freunden in Österreich, Deutschland und Großbritannien verfügt haben. Nach Auswertung der beschlagnahmten elektronischen Kommunikation gehen die Fahnder davon aus, dass er in der Schweiz eine IS-Terrorzelle aufbauen wollte, heißt es in den Medienberichten.

Die Schweizer Polizei soll auf dem Handy des 27-Jährigen ein Kartenprogramm gefunden und ausgewertet haben. Diese Spur sowie die Pläne zweier weiterer festgenommener Terroristen führen nach Deutschland: Der Verdächtige habe womöglich vorgehabt, die Bundeswehr anzugreifen oder Gauck zu töten. Drei Markierungen zeigten Schauplätze in Syrien, an denen es IS-Anschläge gegeben hatte und drei weitere Orte in Deutschland: ein Bundeswehr-Krankenhaus, ein Gebäude des Chemiekonzerns Bayer und Schloss Bellevue, den Amtssitz des Bundespräsidenten.

Die Schweizer Behörden machten am Samstag unter Hinweis auf das laufende Verfahren keine Angaben zu dem Fall. Die Informationen sollen aus deutschen Ermittlerkreisen stammen. "Der Vorgang ist der Bundesanwaltschaft bekannt", bestätigte ein Sprecher in Karlsruhe der Berliner Morgenpost und dem Westen, ohne Details zu nennen. Mit einer Bewertung des Falles halte sich die oberste deutsche Ermittlungsbehörde derzeit zurück, hieß es.