Politiker der großen Koalition haben mit deutlicher Kritik an der
griechischen Regierung auf den Ausgang des Referendums reagiert. "Tsipras und seine Regierung führen das
griechische Volk auf einen Weg von bitterem Verzicht und Hoffnungslosigkeit",
sagte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel dem Tagesspiegel.
Alexis Tsipras habe seinem Volk vorgegaukelt, mit einem Nein werde die
Verhandlungsposition Griechenlands gestärkt. Tatsächlich habe der Regierungschef aber "letzte Brücken eingerissen, über die Europa und
Griechenland sich auf einen Kompromiss zubewegen konnten". Gabriel fügte hinzu: "Mit der Absage an die Spielregeln der Eurozone,
wie sie im mehrheitlichen Nein zum Ausdruck kommt, sind Verhandlungen über
milliardenschwere Programme kaum vorstellbar." Der Ball liege jetzt in Athen.
Auch die CSU übte scharfe Kritik an der griechischen Regierung. "Wir müssen jetzt besonnen reagieren, aber klar ist: die linken Erpresser und Volksbelüger wie Tsipras können mit ihrer schmutzigen Tour nicht durchkommen", sagte Generalsekretär Andreas Scheuer nach den ersten Hochrechnungen. Tsipras und seine Linksregierung habe dem Volk vorgegaukelt, es gäbe Euro ohne Reformen. Das Referendum kommentierte er mit den Worten: "Kali nichta, Hellas – Gute Nacht, Griechenland!"
Anders bewertete erwartungsgemäß die Linke das sich
abzeichnende Ergebnis: "Die Griechinnen und Griechen haben sich zum zweiten
Mal gegen die katastrophale Politik der sozialen Kürzungen und der
wirtschaftlichen Verwüstung gewehrt", sagte Parteichef Bernd Riexinger.
"Sie haben Nein zu weiterer Austerität gesagt, Nein zu einer falschen Medizin,
die immer nur kränker macht."
Das Votum legitimiere die
Verhandlungsführung der linken Regierungspartei Syriza von Ministerpräsident
Alexis Tsipras, die als Schwesterpartei der Linken in Deutschland gilt. "Die
Verhandlungsführer müssen jetzt umgehend an den Tisch zurückkehren und den
demokratischen Willen der griechischen Bevölkerung respektieren", forderte
Riexinger.
Uneins zeigten sich die Grünen in der Bewertung des Votums. Der Kreuzberger Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele twitterte seinen Respekt für die "mutige Entscheidung der Griechen". Widerständige Demokraten hätten Druck, Drohungen, EU-Spitzenpolitikern und Medien getrotzt. Ströbeles Fraktionskollegin Renate Künast fragte daraufhin, wo denn daran das Mutige sei.