Die Atomverhandlungen mit dem Iran werden zur Geduldsprobe. Kurz vor Ende der bereits zweimal verlängerten Frist sagte US-Außenminister John Kerry am Donnerstagabend, wichtige Streitfragen stünden einem Abkommen weiter im Wege. Man werde "nicht hetzen und sich nicht hetzen lassen". Ewig warten werde er aber auch nicht. Kerry äußerte sich nach einstündigen Beratungen mit seinen Kollegen der anderen Weltmächte und Deutschlands.

Zuvor hatte es den ganzen Tag Gespräche hinter verschlossenen Türen mit dem Iran gegeben. Der US-Außenminister stellte klar, er werde die Verhandlungen nicht unbefristet weiterführen. Wenn es keine harten Entscheidungen gebe, sei er bereit, den Prozess beenden. Kerry sieht aber weiter Einigungschancen. "Wir würden hier nicht um des Verhandelns willen weiterverhandeln", sagte er. "Wir sind hier, weil wir glauben, dass wir Fortschritte zu einem umfassenden Abkommen machen."

Der iranische Chefdiplomat Mohammed Dschawad Sarif erklärte über Twitter: "Wir arbeiten hart, aber nicht gehetzt, um die Aufgabe zu erledigen." Vom iranischen Präsidenten Hassan Ruhani kamen Äußerungen, die als Zeichen der Zuversicht gedeutet wurden: Er kündigte an, sein Land bereite sich schon auf die "Nach-Sanktions"-Ära vor.

Der französische Außenminister Laurent Fabius sprach von "guten Dingen, aber es gibt noch Arbeit zu erledigen". Fabius will für weitere Verhandlungen bis Freitagmorgen in Wien bleiben. Kerry telefonierte zudem mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow, der in Russland war und für einen Abschluss wieder nach Wien zurückkehren müsste. Anschließend äußerte sich Lawrow positiv: Man sei "einer Einigung nahe, es ist im Rahmen des Erreichbaren".

Eine nochmalige Fristverlängerung wäre für die US-Regierung ein innenpolitisches Problem. Sie wollte eigentlich bis Donnerstag um Mitternacht fertig werden – also am frühen Freitagmorgen europäischer Zeit – und das erzielte Abkommen dem Parlament vorlegen. Ab Freitag verlängert sich die Prüffrist des Kongresses von 30 auf 60 Tage. Während dieser Zeit können die USA die Sanktionen gegen den Iran nicht aufheben. Ein rasches Ende der Strafmaßnahmen ist aber für Teheran besonders wichtig.

Unterhändler aus dem Iransowie den USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland versuchen bereits seit 13 Tagen in Wien, das seit Jahren vorbereitete historische Abkommen unter Dach und Fach zu bringen. Der Westen will damit den Iranam Bau von Atomwaffen hindern. Teheran hofft auf ein Ende der Beschränkungen durch die Wirtschaftssanktionen.