Türkische Soldaten haben sich an der Grenze zu Syrien Schusswechsel mit Kämpfern der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" geliefert. Dabei wurden Regierungsangaben zufolge ein Soldat und ein IS-Kämpfer getötet und mehrere türkische Soldaten verletzt. Die Armee habe auf Schüsse aus Syrien reagiert und zurückgeschossen. Die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, Panzer hätten fünf Geschosse auf IS-Stellungen abgefeuert. Der IS kontrolliert das Grenzgebiet im Norden der syrischen Provinz Aleppo. Wie der Sender CNN Türk berichtete, wurden nach den Gefechten die türkischen Luftstreitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt. Weitere Panzer seien an der Grenze zu Syrien aufgefahren. 

Anders als von der Armee dargestellt, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit, die Kämpfe hätten begonnen, nachdem türkische Soldaten auf einen Zivilisten geschossen hätten, der von Syrien in die Türkei gewollt habe. Bei den Gefechten seien zwei IS-Kämpfer getötet worden, berichtete die Organisation weiter. Die Angaben der Beobachtungsstelle können nicht überprüft werden. 

Der Schusswechsel an der türkisch-syrischen Grenze ist die Folge einer Reihe von Anschlägen, die das Land in den vergangenen Tagen erschütterten. Nach dem Selbstmordanschlag mit 32 Toten in Suruç hatte die PKK zwei türkische Polizisten als "Vergeltung" für das Massaker getötet.

Die türkische Regierung macht zwar den IS für den Anschlag verantwortlich, die Kurden werfen der Regierung allerdings vor, die Terrormiliz unterstützt zu haben. Auch andere Regierungskritiker unterstellen der Türkei, vor allem besorgt über ein Erstarken der Kurden im Norden Syriens zu sein und zu wenig gegen die Dschihadisten zu unternehmen oder diese sogar mit Waffen zu unterstützen. Zudem gibt es Klagen, dass türkische Grenzschützer die Rekruten der Dschihadisten unbehelligt die Grenze überqueren lassen.

Deshalb hatten sich nach dem Anschlag in Suruç die Spannungen zwischen Kurden und türkischen Sicherheitskräften verschärft. Nach der Ermordung zweier Polizisten am Mittwoch wurde in der Stadt Diyarbakır am Donnerstag erneut ein Polizist erschossen. Ein zweiter Beamter soll schwer verletzt worden sein.

Aus Polizeikreisen verlautete, die beiden Beamten seien zu einem Unfall im Stadtteil Sehitlik gerufen worden, einer Hochburg der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Mehrere bewaffnete Männer hätten sodann das Feuer auf die Polizisten eröffnet und seien anschließend geflohen.

Die kurdische Bewegung der patriotischen revolutionären Jugend (YDG-H) teilte unterdessen mit, sie habe in Istanbul einen Händler getötet, der der IS-Miliz angehört habe. "Die Mörder von Suruç werden zur Rechenschaft gezogen", schrieb die Gruppe.

Die Türkei teilt sich mit Syrien eine 900 Kilometer lange Grenze, die teilweise direkt an IS-Gebiete grenzt. Die türkische Regierung will nun auf 150 Kilometern eine Mauer errichten und zudem die Grenzanlagen verstärken, um die Ein- und Ausreise von Terroristen zu verhindern.