Sie stürzen sich wie die Raubvögel aus dem Nichts auf ihre Opfer, töten gezielt und verschwinden sogleich, gesteuert aus der Ferne. Kampfdrohnen sind so unheimlich, dass es nicht lange dauern konnte, bis ihr Verbot gefordert wurde. Zu Recht?

Ein Verbot müsste jedenfalls mit der Besonderheit dieser Waffe begründet werden, also mit dem, was sie von allen anderen unterscheidet – anderenfalls wäre jedwede Kriegstechnik zu verbieten, was zwar nicht von vornherein unsinnig, aber nicht mehr dasselbe Thema wäre. Doch worin besteht die Besonderheit der Kampfdrohnen?

In der "Entkoppelung von Krieg und Krieger", wie es in dem Buch Drohnen von Thomas Wiegold und ZEIT-ONLINE-Redakteur Kai Biermann heißt? Eher nicht. Diese Entkoppelung ist ein verbreitetes Phänomen, charakteristisch für strategische Waffensysteme zum Beispiel. Für sie gilt, dass Zielplanung und Entscheidungsverlauf typischerweise fernab vom Einsatzort stattfinden; erinnert sei beispielsweise an den Vietnamkrieg. Auch, dass Kampfdrohnen ein besonders unfaires Mittel seien, ist keine gute Begründung für deren Verbot, schließlich zielt alle Waffentechnik auf Überlegenheit und somit darauf, ein unfaires Endspiel herbeizuführen, wie auf dem Schachbrett.

Ein beliebtes, aber besonders schwaches Argument richtet sich gegen die Automatisierung der Kriegsführung, die angeblich die Verantwortung an technische Systeme delegiere. Zwar mögen Kampfroboter noch so autonom agieren, sie werden gleichwohl von Menschen konstruiert, programmiert und ausgesandt. Auf ihnen lastet die Verantwortung. Dass diese recht verteilt und verstreut ist, unterscheidet robotische Waffensysteme nicht von anderen.

Die Grenze zwischen Frieden und Krieg wird verwischt

Nein, das Besondere der Kampfdrohnen liegt woanders: Mit diesen Waffen können überraschende, gezielte und an keinen Frontverlauf oder Kriegshergang gebundene Angriffe geführt werden, und zwar mit geringem Risiko für die eigenen Kräfte. Sie sind damit gewissermaßen das Pendant zu den Killerkommandos des Terrorismus.

Diese Art Kriegsführung wird möglich, weil der Einsatzraum zugleich als digitales, umfassend auf Messwerten beruhendes Modell existiert. Drohnen sind ein Sinnbild dafür, wie sehr der Faktor Information im Vergleich zu den anderen Kriterien der militärischen Stärke wie Feuerkraft, Bewegung oder Durchhaltefähigkeit an Gewicht zugenommen hat. So sehr, dass mit dieser Waffe eine politisch neue Situation entstanden ist, denn sie erlaubt es in weitaus höherem Maße als bisher, Kriege ohne Schlachten zu führen, also ohne Konfrontation zwischen Armeen.

Über diese Besonderheit muss diskutiert werden, wenn über ein Verbot von Kampfdrohnen verhandelt werden soll. Seine Befürworter argumentieren, dass die Existenz dieser Waffe die Grenze zwischen Frieden und Krieg verwische. In der Tat wird der technische Fortschritt von einer inversen Entwicklung der Kriegssitten begleitet. Erhellend ist die Lektüre antiker Werke wie etwa die römische Geschichte des Livius, in denen die komplizierten Riten beschrieben werden, die eine Kriegserklärung begleiteten: Die Orakelbefragungen, abgestuften Beschlussfassungen und Symbolhandlungen boten beiden Seiten ebenso viele Chancen, das Äußerste abzuwenden. Heute hingegen beginnen bewaffnete Flugroboter sowie digital kommunizierende Terrornetzwerke das Töten ohne formelles Brimborium.

Kampfroboter wie Drohnen senken daher die Schwelle zum Krieg. Einwenden ließe sich zwar, dass die heutige Welt ohne Kampfdrohnen nicht unblutiger aussähe als jetzt. Aber die Zukunft? Die vielleicht. Ein weltweites Verbot von Kampfdrohnen wäre daher womöglich sinnvoll – und sei es nur, weil dann wenigstens auf einem Gebiet wieder einmal Abrüstungslogik gelten würde. Nur leider stehen die Aussichten dafür schlecht.

Aber sind Kampfdrohnen nicht eine einigermaßen adäquate Antwort auf den Terrorismus? Das muss sich erst noch erweisen. Bisher jedenfalls erproben die Vereinigten Staaten diese Strategie mit wenig praktischem Erfolg. Die politischen Kosten indes sind hoch, denn die Kämpfer gegen den Terrorismus nähern sich damit ihren Gegnern moralisch an, auch wenn sie von diesen eine Grenze trennt: Terrorismus zielt (auch) auf Zivilisten, Antiterrorismus nimmt zivile Opfer allenfalls in Kauf. Was für die Opfer selbst allerdings keinen Unterschied bedeutet.