Mehrere EU-Staaten und die Kommission in Brüssel wollen in der Flüchtlingskrise den Schutz der Grenzen auf dem Balkan verstärken. Am Sonntagnachmittag treffen sich die Regierungschefs von rund einem Dutzend Staaten, die besonders vom gegenwärtigen Flüchtlingsandrang betroffen sind. Außerdem sind die Nicht-EU-Länder Mazedonien, Serbien und Albanien vertreten. Die Teilnehmer wollen in einer Abschlusserklärung festhalten, mit welchen Maßnahmen das Chaos entlang der Balkanroute beendet werden kann.

Wie aus dem Entwurf für die Erklärung hervorgeht, soll unter anderem der Grenzschutz zwischen Griechenland und der Türkei verstärkt werden. Außerdem soll die EU-Grenzschutzagentur Frontex die Grenzen zwischen Griechenland und Mazedonien sowie Albanien besser absichern. Dazu sollen 400 Grenzschützer anderer EU-Staaten zusätzlich auf dem Balkan eingesetzt werden. Afghanen, Iraker und andere Asiaten ohne Bleiberecht sollen schneller abgeschoben werden. Zudem will man das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR stärker einbeziehen.

Auf der Balkanroute sind derzeit Tausende Flüchtlinge unterwegs. Die meist aus dem Bürgerkriegsland Syrien stammenden Menschen kommen über die Türkei in die EU. Ihr Weg führt von den griechischen Ostägäis-Inseln über den Balkan nach Österreich und Deutschland.

Eine menschenwürdige Behandlung der Flüchtlinge sei "von allergrößter Bedeutung", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntag in Brüssel. Da es sich um keinen normalen EU-Rat der 28 Mitgliedsstaaten handele, könne es keine Verabredungen zu Lastenteilungen in Form von Quoten geben. Das Format sei dennoch wichtig, um auf der Balkanroute die Abläufe besser zu ordnen: "Das heißt, außerordentliche Zeiten erfordern auch außerordentliche Maßnahmen", sagte Merkel.


Im Vorfeld der Konferenz hatte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker an die Staaten appelliert, in der Flüchtlingsfrage enger zusammenzuarbeiten. "Wir brauchen eine engere Absprache zwischen den Ländern in der Region, um der Situation der letzten Tage Herr zu werden", sagte er der Funke Mediengruppe.

Angesichts des anhaltenden Flüchtlingstrecks erhöhten die Transitländer vor dem Krisentreffen den Druck. Sie forderten mehr europäische Solidarität. Griechenland, das seit Monaten den Ansturm Zehntausender Flüchtlinge aus Syrien über die Türkei kaum bewältigen kann, will kein "riesiges Flüchtlingslager" sein. Bulgarien, Rumänien und Serbien fürchten weitere Grenzzäune in Europa wie in Ungarn und wollen nicht zu einer "Pufferzone" für Migranten werden. Notfalls würden sie ihre Grenzen schließen, drohten die Balkanstaaten.

Österreich setzt Busse und Züge für Flüchtlinge an der Grenze ein

Drei Sonderzüge haben unterdessen etwa 1.000 Flüchtlinge von der slowenisch-österreichischen Grenze in feste Unterkünfte gebracht. Ein vierter Sonderzug werde am Abend von Graz aus abfahren, sagte ein Sprecher der Landespolizei Steiermark. Außerdem seien etwa 30 Busse im Einsatz, um die Menschen in feste Unterkünfte in mehreren Landesteilen zu bringen.

In dem Lager nahe der Ortschaft Spielfeld sind zurzeit 2.800 Männer, Frauen und Kinder untergebracht. "Wir erwarten, dass noch mehrere Tausend aus Slowenien kommen", sagte der Polizeisprecher. Die Bedingungen in dem Lager in Spielfeld sind schwierig. Die Menschen übernachten in Zelten auf Holzpaletten. "Es sind viel zu wenig Helfer hier", sagte ein Freiwilliger des Österreichischen Roten Kreuzes.