Die dritte TV-Debatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber wurde zur Nacht des Marco Rubio: Der Senator aus Florida parierte Kritik mit Leichtigkeit, punktete mit Angriffen gegen die Medien und Hillary Clinton, schmückte seine Redezeit mit Anekdoten aus seiner Kindheit in einem exilkubanischen Elternhaus. Obendrein servierte Rubio Jeb Bush ab, den tief Gesunkenen, der an diesem Abend einmal mehr unglücklich agierte.

Wie groß die Nervosität im Bush-Lager ist, zeigte der Ausraster seines Wahlkampfmanagers Danny Diaz noch während der Live-Debatte in Boulder. In den Tiefen des Auditoriums fuhr Diaz einen CNBC-Verantwortlichen wütend an, weil die Debatte aus seiner Sicht "schlecht moderiert" war und Bush kaum Redezeit erhielt. Tatsächlich: Zuweilen wurde wirklich schlecht moderiert. Doch anders als Bush schlugen Rubio oder auch der Senator Ted Cruz daraus Kapital: Ihre Angriffe auf die Mainstream-Medien, die Clinton schützten und den Republikanern ungehörige Fangfragen stellten, kamen bei den Zuschauern besonders gut an.

Inhaltlich bot die Debatte dagegen wenig Neues. Wenn es um Staat und Steuern ging, demonstrierten die zehn Kandidaten erwartungsgemäß Einigkeit: runter mit den Abgaben, die Wirtschaft deregulieren, den Staat strangulieren, wo es nur geht. Dass sich ihre Zahlen kaum aufaddieren und den Amerikanern neuerlich riesige Etatdefizite bescheren würden, störte nicht. Schließlich ist es republikanisches Credo, die Steuern vor allem für Vermögende zu senken. George W. Bush machte es vor, als er die von 1996 bis 2001 angehäuften Haushaltsüberschüsse Bill Clintons durch Steuerkürzungen rasch ausradierte und in der Folge tiefrote Zahlen schrieb.

Einig waren sich die zehn Kandidaten in ihrer Anbetung des ungezügelten Marktes, in ihrer Trauer über das harte Los der kleinen Leute – zu dem die Republikanische Partei seit Ronald Reagans Amtsantritt 1981 allerdings beträchtlich beigetragen hat – sowie in ihrem Unvermögen, konkrete Schritte gegen die immer weiter auseinanderklaffende Schere zwischen amerikanischen Reichen und dem Rest der Bürger zu benennen. 

Die in den Umfragen führenden Seiteneinsteiger Donald Trump und Ben Carson machten in der Debatte keine entscheidenden Fehler. Beide versuchten mit Steuersenkungsmodellen zu punkten. Dennoch zweifelten nicht nur die Moderatoren die Ernsthaftigkeit ihrer Agenda für das Weiße Haus an. Dem weit abgeschlagenen Gouverneur von Ohio, John Kasich, schwante sogar, man stehe kurz davor, "jemanden zu nominieren, der den Job überhaupt nicht erledigen kann".

Trump schlug sich wacker. Für seine Verhältnisse war es ein ruhiger Abend, an dem ihm die Moderatoren vor allem Fragen zu seinen Lieblingsthemen stellten – dem Mauerbau zu Mexiko etwa oder auch zu Waffen. Ob er sich eigentlich in seinen Unternehmen sicherer fühle, wenn seine Mitarbeiter Waffen trügen, fragte ihn der Moderator. "Ja, vielleicht schon", sagte Trump. Auch er führe gelegentlich eine Waffe mit sich. "Ich mag es, unberechenbar zu sein."

Der Auftritt Bushs hingegen blieb rätselhaft. Eigentlich gibt es kaum Zweifel daran, dass er für das Präsidentenamt qualifiziert ist. Doch träge schleppte er sich durch die Debatte, eher Statist denn Protagonist. Nur ihm kann es passieren, von einem der Moderatoren in eine Mini-Debatte über die staatliche Regulierung des beliebten Wettspiels Fantasy Football verwickelt zu werden – worauf sich Chris Christie lautstark vordrängte: "Moment mal, wir haben 19 Billionen Dollar Staatsschulden, Al-Kaida und der IS bekämpfen uns, und wir reden hier über die Regulierung von Fantasy Football?".

Jeb Bush – sein berühmter Name ist mehr Hindernis

Nach dem TV-Abend in Boulder müssen die demokratischen Strategen in Washington Rubio als potenziell gefährlichsten Rivalen einer demokratischen Präsidentschaftskandidatin Clinton fürchten. "Unsere besten Tage liegen vor uns, wenn wir jetzt das Richtige tun", erklärte Rubio unter dem Beifall der Gäste im Auditorium und wollte so an den Optimismus Ronald Reagans anknüpfen. Ted Cruz, Trump und die ehemalige Hewlett-Packard Chefin Carly Fiorina mochten sich behaupten, Rubio aber glänzte als Sieger des Abends.

Eigentlich wäre es nun an der Zeit, bei den kommenden Debatten die Bühne von abgeschlagenen Bewerbern wie Mike Huckabee, dem ehemaligen Gouverneur von Arkansas, oder dem Libertarier-Liebling und Senator Rand Paul zu befreien, damit die verbleibenden Kandidaten mehr Zeit erhielten. Drei Monate vor der ersten Entscheidung der republikanischen Wähler im mittwestlichen Iowa wurde in Boulder zwar nicht geklärt, ob ein Außenseiter wie Trump oder Carson tatsächlich zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten nominiert werden kann. Mit Rubio und vielleicht Cruz aber deuteten sich echte Alternativen an.