Bei der Parlamentswahl in der autoritär regierten Kaukasusrepublik Aserbaidschan hat sich wie erwartet ein deutlicher Sieg der Regierungspartei Neues Aserbaidschan abgezeichnet. Nach der Auszählung von 91 Prozent der abgegebenen Stimmen könne die Partei von Präsident Ilcham Alijew mit mindestens 69 der 125 Mandate rechnen, teilte die Wahlkommission mit. Die wichtigen Oppositionsparteien hatten die Wahl boykottiert, die sie bereits im Vorfeld als "Scheinabstimmung" kritisiert hatten. Unabhängige internationale Wahlbeobachter waren nicht vor Ort.  

Die Opposition und Menschenrechtsorganisationen werfen der Regierung vor, oppositionelle Politiker am Wahlkampf gehindert und grundlos festgenommen zu haben. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatte nach einem Streit mit den Behörden ihre geplante Wahlbeobachtermission in die frühere Sowjetrepublik abgesagt. Die Präsidentenwahl 2013 hatten die OSZE-Wahlbeobachter als undemokratisch bewertet und sahen grundlegende Freiheiten verletzt.

Zu der Wahl aufgerufen waren insgesamt 5,9 Millionen Stimmberechtigte, laut Wahlkommission lag die Beteiligung bei 55,7 Prozent. Um die 125 Sitze bewarben sich über 700 Kandidaten aus rund einem Dutzend Parteien. Der Führer der oppositionellen Musawat-Partei, İsa Qəmbər, sprach am Sonntag von "zahllosen Fällen von Wahlbetrug". Immer wieder hätten Wähler mehrfach ihre Stimme abgegeben, während die Arbeit unabhängiger Wahlbeobachter behindert worden sei.

Menschenrechtsgruppen kritisierten, dass es in den vergangenen Wochen verstärkt zu Repressalien gekommen sei. Besonders die Haftstrafen gegen die Bürgerrechtlerin Leyla Yunus und ihren Mann Arif stoßen international auf Kritik. Anders als etwa gegen die Führung in Belarus wurden jedoch nie Sanktionen verhängt. Für das an Erdöl reiche Aserbaidschan ist die EU der wichtigste Wirtschaftspartner. Allein Deutschland kaufte dort vergangenes Jahr Erdöl für mehr als zwei Milliarden Euro.

Ilcham Alijew regiert das Land seit 2003 als Nachfolger seines Vaters Geidar Alijew, der seinerseits seit 1969 fast ununterbrochen an der Macht war. Nach Einschätzung westlicher Beobachter ist seit Ilcham Alijews Antritt keine Abstimmung in Aserbaidschan frei und fair verlaufen.