Die Zahl der Gewalttaten gegen Flüchtlinge ist in den vergangenen Monaten erheblich gestiegen. In diesem Jahr seien bereits 104 Gewalttaten gegen Asylheime registriert worden, darunter 53 Brandstiftungen, berichtet die Zeitung Die Welt unter Berufung auf das Bundeskriminalamt (BKA). Im gesamten Jahr 2014 seien 28 Gewalttaten verzeichnet worden.

Die Zahl der Straftaten gegen Asylunterkünfte, wozu auch Propagandadelikte und Fälle von Volksverhetzung zählen, wurde mit 637 angegeben – mehr als dreimal so viel wie im vergangenen Jahr. Allein im dritten Quartal 2015 seien es 303 Straftaten gewesen.

Betreiber von Flüchtlingsunterkünften äußerten sich besorgt. "Wir erleben gerade die schlimmste Welle von rassistischer und rechtsextremer Gewalt seit 20 Jahren", sagte Diakonie-Präsident Ulrich Lilie der Zeitung. Inzwischen richteten sich die Anschläge auch gegen bewohnte Unterkünfte. "Hier sind vergleichbar den Bannmeilen Schutzzonen um gefährdete Unterkünfte sinnvoll und notwendig", forderte Lilie.

Der Diakonie-Präsident kritisierte die Sicherheitsbehörden. Es sei nicht hinnehmbar, dass so wenige Brandanschläge aufgeklärt würden. "Eine konsequente, schnelle und erfolgreiche Strafverfolgung kann dazu beitragen, eine weitere Eskalation von Gewalttaten zu verhindern", sagte Lilie.

Der Gründer der Rechtsextremismus-Aussteiger-Initiative Exit, Bernd Wagner, sieht die Intensität der fremdenfeindlichen Gewalt auf einem ähnlichen Niveau wie zu Beginn der neunziger Jahre. "Wir hatten so eine Situation bereits im Frühjahr '91", sagte Wagner der Zeitung. "Da braut sich was zusammen, bald könnten die ersten Todesopfer zu beklagen sein, wenn die Gewalt nicht repressiv gestoppt wird."

Offiziell rechnet die Bundesregierung mit 800.000 Flüchtlingen, die in diesem Jahr nach Deutschland kommen. Die Koalitionsspitzen treffen sich am Donnerstag erneut, um eine Einigung über die nächsten Schritte zur Bewältigung der Flüchtlingskrise zu erzielen.

Anmerkung der Redaktion: Ursprünglich wurde zur Illustration dieser Meldung ein Foto verwendet, das einen Brand in der Flüchtlingsunterkunft in Hamburg-Sülldorf im Oktober 2015 zeigte. Damit wurde der Eindruck erweckt, die Brandstiftung dort habe einen fremdenfeindlichen Hintergrund gehabt. Tatsächlich aber wurde gegen einen Bewohner ermittelt. Wir haben das Foto deshalb entfernt.