US-Präsident Barack Obama hat Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihre Bereitschaft zur Aufnahme von Flüchtlingen gelobt. "Ich denke, dass in Europa Menschen wie Kanzlerin Merkel eine sehr mutige Haltung eingenommen haben", sagte Obama kurz nach dem Ende des G20-Gipfels im südtürkischen Belek bei Antalya. "Ich weiß, dass das für die Menschen in Europa eine enorme Belastung ihrer Ressourcen bedeutet."

Obama sagte, es sei sehr wichtig, den Opfern von Gewalt und Terror mit Mitgefühl zu begegnen, dies sei auf dem G20-Gipfel auch geschehen. Gleichzeitig sei für ihn als US-Präsident "erste Priorität die Sicherheit des amerikanischen Volkes". Die USA würden künftig zwar mehr Flüchtlinge auch aus Syrien aufnehmen, diese aber "einer rigorosen Überprüfung und Sicherheitskontrollen unterziehen".

Man dürfe das Thema Flüchtlinge allerdings nicht mit dem Terrorismusthema vermischen, sagte Obama. Viele der Flüchtlinge seien selber Opfer von Terrorismus. "Das ist, warum sie fliehen. Ihnen die Türe vor der Nase zuzuschlagen, wäre ein Betrug an unseren Werten. Unsere Nationen können Flüchtlinge willkommen heißen, die verzweifelt Schutz suchen, und ihre eigene Sicherheit gewährleisten."

Mehrere US-Bundesstaaten haben die Aufnahme von Flüchtlingen aus Syrien jedoch abgelehnt. Die republikanischen Gouverneure von Alabama, Arkansas, Texas und Michigan teilten mit, die von Obama angekündigte Umsiedlung von mindestens 10.000 Syrern im Haushaltsjahr 2016 nicht mitzutragen.

"Nach der vollen Betrachtung der Attacken auf unschuldige Bürger an diesem Wochenende in Paris werde ich mich jedem Versuch widersetzen, syrische Flüchtlinge nach Alabama umzusiedeln", sagte Gouverneur Robert Bentley am Sonntag. Er werde nicht zulassen, dass die Bewohner seines Bundesstaates "nur dem geringsten Risiko einer Attacke" ausgesetzt würden. Michigans Gouverneur Rick Snyder erklärte, er habe einen Aufnahmestopp für syrische Flüchtlinge verhängt. Erst müsse das Heimatschutzministerium eine "vollständige Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen" abschließen.

Auch weitere republikanische Politiker äußerten sich kritisch. Donald Trump, Bewerber auf das Amt des Präsidentschaftskandidaten, sagte nach den Terroranschlägen von Paris, man müsse "verrückt sein", Flüchtlinge aus der Region willkommen zu heißen. Ähnlich äußerten sich Ben Carson, Marco Rubio und Ted Cruz.

Bush will nur syrische Christen aufnehmen

Der texanische Gouverneur Greg Abbott schrieb in einem Brief an Obama: "Angesichts der tragischen Attacken von Paris und der Bedrohungen, die wir schon gesehen haben, kann Texas an keinem Programm teilnehmen, das die Umsiedlung von syrischen Flüchtlingen, von denen jeder Verbindungen zum Terrorismus haben könnte, zur Folge hat." Außerdem rief Abbott den Präsidenten auf, die Aufnahme von Syrern überall in den USA zu stoppen. "Weder Sie noch irgendein Bundesbeamter können garantieren, dass syrische Flüchtlinge nicht Teil einer terroristischen Aktivität sein werden", schrieb der Gouverneur.

Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Jeb Bush will die Flüchtlingsaufnahme der USA auf syrische Christen begrenzen. In einem Interview des TV-Senders CNN sagte der Gouverneur von Florida am Montag, eine solche Auswahl bedeute gewiss eine Herausforderung für die nationale Sicherheit; es gebe aber Erfahrungen damit.

Am Samstag hatte bereits Louisianas Gouverneur Bobby Jindal, der sich um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner bewirbt, in einem Brief an Obama seine ernste Besorgnis über die Aufnahme von Syrern zum Ausdruck gebracht. "Die Behörden müssen untersuchen, was in Europa passiert ist, ehe dieses Problem in die Vereinigten Staaten kommt", schrieb Jindal.

Obama hatte im September angekündigt, bis Oktober 2016 mindestens 10.000 Syrer aufzunehmen. Die Umsiedlung von Flüchtlingen aus den Lagern in Jordanien oder im Libanon in die USA ist ein langwieriger Prozess. Die US-Behörden überprüfen bereits jeden Antragsteller genau, weil sie fürchten, dass Islamisten auf diesem Weg ins Land gelangen könnten.