Mithilfe der internationalen Koalition haben die Kurden im Nordirak eine Großoffensive gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) begonnen. Ziel sei die Befreiung der strategisch wichtigen Stadt Sindschar, teilt der Sicherheitsrat der kurdischen Autonomiegebiete mit. Demnach konnten die Kurden eine wichtige IS-Nachschubroute nach Syrien kappen. Der IS hatte die vor allem von der Minderheit der Jesiden bewohnte Region im vergangenen Jahr erobert und Zehntausende vertrieben.

Nach kurdischen Angaben sind 7.500 Peschmerga-Kämpfer an der Offensive beteiligt. Flugzeuge der von den USA geführten Koalition flogen laut Pentagon intensive Luftangriffe auf IS-Ziele. TV-Bilder zeigten Rauchsäulen über Sindschar. Reporter berichteten von heftigen Gefechten. Auch Kämpfer der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK seien im Einsatz, meldete die kurdische Nachrichtenagentur Fira.

Sindschar ist strategisch von großer Bedeutung, weil die Stadt an der wichtigsten Verbindungsstraße zwischen den beiden IS-Hochburgen Rakka in Syrien und Mossul im Irak liegt. Über diese Strecke transportieren die Extremisten Kämpfer und Nachschub. Sindschar gehört zudem zu den Gebieten, über deren Hoheit sich die kurdische Autonomieregierung im Nordirak und die Zentralregierung in Bagdad seit Jahren streiten. Als Jesiden-Hochburg hat die Stadt auch eine große symbolische Bedeutung.

Israel bombardiert Flughafen in Damaskus

Auch in Syrien gehen die Kämpfe weiter. Mehrere Medien berichteten von israelischen Luftangriffen auf Ziele in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Unweit des Flughafens seien Explosionen zu hören gewesen und Feuer ausgebrochen. Nach einem Bericht der israelischen Zeitung Jedi'ot Acharonot soll der Angriff einer Raketenlieferung für die libanesische Hisbollah-Miliz gegolten haben. Es wäre das erste israelische Bombardement seit Russland Ende September in den syrischen Bürgerkrieg eingegriffen hat. Offiziell bestätigt wurden die Angaben jedoch weder von israelischer noch von syrischer Seite.

Schon am Dienstag hatte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu während seines Besuchs in Washington jedoch bekräftigt, dass Israel es nicht tatenlos hinnehmen werde, wenn die Hisbollah von Syrien moderne Waffentechnologie geliefert bekämen. In mehreren Fällen hatte die israelische Luftwaffe seit 2011 laut Medienberichten Konvois angegriffen, die angeblich die Hisbollah mit Raketen aus Syrien versorgen sollten.

Der IS versucht derweil, sein Kalifat weiter auszudehnen und auch im Libanon Fuß zu fassen. Im Süden der Hauptstadt Beirut wurden bei einem Doppelanschlag zu dem sich Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" bekannt haben, mindestens 43 Menschen getötet. Mehr als 180 wurden verletzt, teilte das Rote Kreuz mit. Der Anschlag ereignete sich im Viertel Burdsch al-Baradschne, das als Hochburg der schiitischen Hisbollah-Miliz gilt.

Nach Angaben der libanesischen Regierung waren insgesamt vier Selbstmordattentäter in der Gegend unterwegs, einer sei jedoch geflüchtet. Ein weiterer sei tot gefunden worden, hieß es. Er habe noch einen funktionstüchtigen Sprengstoffgürtel getragen. Wahrscheinlich sei er dem zweiten Attentäter zu nahe gekommen, als dieser seine Bombe zündete.

Unterstützer des IS bekannten sich zu den Anschlägen. Auf Twitter kursiert eine Nachricht, in der Details der Taten geschildert werden. Allerdings waren diese Informationen bereits zuvor von arabischen Medien veröffentlicht worden.

Mutmaßliche Islamisten in Italien festgenommen

Schön länger gilt die Lage im Libanon als explosiv. Zum einen unterstützt die schiitische Hisbollah Syriens Machthaber Baschar al-Assad mit eigenen Truppen, zum anderen versuchen der sunnitische IS, feste Strukturen im Libanon auszubauen. Im Februar hatte eine libanesische Zeitung aus Geheimdienstkreisen erfahren, dass der IS eine Ausweitung des Kalifats in Syrien auf libanesisches Staatsgebiet plane. Über die Bergregion nördlich von Damaskus sollte das Emirat Libanon mit dem Rest des Kalifats verbunden werden, hieß es damals. Die libanesische Armee hatte schon im vergangenen Jahr wiederholt IS-Kampfverbände aus dem Gebiet zurückschlagen müssen.

In Europa haben Ermittler derweil ein Islamisten-Netzwerk zerschlagen. Bei einer Razzia gegen gewaltbereite Islamisten sind 13 Verdächtige festgenommen worden. Wie die italienische Polizei mitteilte, wollten die mutmaßlichen Islamisten Anschläge verüben, um ihren Chef Mullah Krekar freizubekommen. Auch Entführungen von Diplomaten waren demnach geplant. Der aus dem Irak stammende Mullah Krekar, der auf der Terrorliste der USA und der Uno steht, sitzt in Norwegen in Haft.

Nach Angaben der italienischen Polizei wurden 17 Haftbefehle gegen mutmaßliche Islamisten erlassen, die Anhänger des 59-jährigen Predigers Krekar sein sollen, dem Mitbegründer der irakischen Islamistengruppe Ansar al-Islam. Sechs Mitglieder des Netzwerks wurden demnach in Italien festgenommen, vier in Großbritannien, drei in Norwegen. Laut Polizeichef Giovanni Governale erstreckte sich das Netzwerk auch auf Deutschland, die Schweiz und Finnland.