Die Olympia-Befürworter haben das Referendum in Hamburg verloren. Nach Auszählung aller abgegebenen Stimmen lagen die Gegner am Sonntag mit 51,6 zu 48,4 Prozent vorn. Hamburg wird damit auf eine Bewerbung um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2024 verzichten. Zwar stimmten die Menschen in Kiel mit großer Mehrheit (65,57 Prozent) für Segel-Wettbewerbe auf der Förde, das ändert jedoch nichts an der Entscheidung.

Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) räumte die Niederlage der Befürworter ein. "Das ist eine Entscheidung, die wir uns nicht gewünscht haben. Sie ist aber klar", sagte Scholz. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, zeigte sich enttäuscht über das Ergebnis. "Für Sportdeutschland stellt der heutige Tag einen herben Rückschlag und Tiefschlag dar", sagte Hörmann. Das Ergebnis sei sehr stark den Rahmenbedingungen geschuldet. Während der mehrwöchigen Abstimmung dominierten die Flüchtlingskrise, der Fifa-Skandal, die DFB-Affäre und zuletzt die Terrorakte in Paris mit abgesagten Länderspielen auch in Deutschland das öffentliche Leben.

Auch das Internationale Olympische Komitee bedauerte den Ausgang der Abstimmung. "Mit dieser Entscheidung geht eine große Chance für die Stadt, das Land und den deutschen Sport verloren", sagte ein Sprecher. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kommentierte: "Ich find's schade. Ich hätte mich gefreut." Er könne aber irgendwie nachvollziehen, dass nicht nur in Deutschland der Widerstand in der Bevölkerung gegen sportliche Großereignisse gewachsen sei. Der Aufwand für Olympische Spiele generell werde immer größer. 

50 Prozent Wahlbeteiligung

Gegner und Befürworter lieferten sich lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Das ZDF hatte sehr früh eine Prognose veröffentlicht, nach der 56 Prozent der Hamburger der Bewerbung zustimmten. Die Zahlen ließen sich nicht verifizieren: Tatsächlich lagen mit der Auszählung der ersten Wahllokale die Gegner knapp vorn. Das verfestigte sich auf einen Vorsprung von rund vier Prozent. Die Olympia-Gegner hatten vor dem Referendum vor allem vor sozialen Nachteilen für Teile der Bevölkerung und vor den hohen Kosten Olympischer Spiele gewarnt. "Wir haben einen Stimmungswandel in der Stadt bemerkt", sagte Florian Kasiske aus dem Lager der Initiative NOlympia. "Die Menschen sehen, dass es Sachen gibt, wo das Geld besser angelegt ist."

Für den Hamburger Bürgermeister ist die Absage ein unerwarteter Tiefschlag. Er hatte Olympia als wichtigstes Projekt der Legislaturperiode ausgegeben. Die Stadtentwicklung sollte bis 2024 auf einen Stand gebracht werden, der normalerweise 20 bis 30 Jahre in Anspruch genommen hätte. Die Frage, Olympia – ja oder nein?, hatte die Hamburger stärker mobilisiert als andere Themen. Runde 650.000 der 1,3 Millionen Wahlberechtigten gaben in dem vierwöchigen Verfahren ihre Stimme ab. Das entspricht einer Beteiligung von etwa 50 Prozent. "Ich bin enttäuscht und traurig. Es wäre eine große Chance gewesen", sagte der Vorstandschef des Fußballbundesligisten Hamburger SV, Dietmar Beiersdorfer.

Nach Berechnungen des rot-grünen Senats sollten die Sommerspiele in Hamburg rund 11,2 Milliarden Euro kosten. Die öffentliche Hand sollte davon etwa 7,4 Milliarden Euro übernehmen – 1,2 Milliarden die Stadt und 6,2 Milliarden der Bund. Mit der Entscheidung der Hamburger ist Deutschland raus aus dem Bewerberfeld für Olympia. Nun stehen für das Sportgroßereignis nur noch Budapest, Paris, Rom und Los Angeles als Kandidaten parat. Die Entscheidung über die Ausrichterstadt fällt das Internationale Olympische Komitee (IOC) 2017 in Perus Hauptstadt Lima.