Die aktuellen Ereignisse zu den Terroranschlägen in Paris lesen Sie in unserem Liveblog.

Eigentlich hätte Angela Merkel an diesem Tag in Mecklenburg-Vorpommern sein sollen, beim Parteitag ihres CDU-Landesverbandes. Doch dann ist mal wieder alles anders. Ernst, wie man sie selten gesehen hat, betritt sie um kurz nach neun im schwarzen Hosenanzug das Foyer des Kanzleramtes, um die Anschläge von Paris in der vergangenen Nacht zu kommentieren.

"Wir erleben einen Albtraum von Gewalt und Terror", sagt die Kanzlerin sichtlich erschüttert. An die Angehörigen der Opfer und die Verletzten gewandt fügte sie ungewöhnlich emotional hinzu: "Wir deutschen Freunde fühlen uns Ihnen so nah, wir weinen mit Ihnen." Die Toten hätten das Leben freier Menschen leben wollen in einer Stadt, die das Leben feiert. "Und sie trafen auf Mörder, die genau dieses Leben in Freiheit hassen."

Dass Merkel dieser Auftritt nicht leicht fällt, ist ihr deutlich anzumerken. Ihre Stimme ist belegt, mehrfach muss sie sich räuspern, um überhaupt fortfahren zu können. Und sie versucht, so viel Solidarität auszudrücken, wie nur irgend möglich: "Dieser Angriff auf die Freiheit gilt nicht nur Paris, er trifft uns alle", sagt Merkel. "Deshalb werden wir gemeinsam die Antwort geben. Unser freies Leben ist stärker als der Terror."

Einige Stunden später tritt im Willy-Brandt-Haus der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel vor die Kameras und äußert sich an manchen Punkten fast wortgleich: "Dieser Terror geht gegen uns alle", sagt er. Er richte sich gegen alles, woran wir in Europa im Kern glaubten. Ein freier Staat sei immer verletzlicher als ein Staat, der die Freiheit der Sicherheit unterordnet. Umso entschlossener werde man nun zusammenstehen.

"Wir sind unseren Ängsten begegnet"

Schock und Entsetzen – das sind die Gefühle, die in Deutschland zunächst quer durch alle Parteien dominieren. Vieles, was nun gesagt wird, hat man ganz ähnlich erst vor wenigen Monaten schon einmal von deutschen Politikern gehört, als islamistische Terroristen die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo gestürmt und gleichzeitig Geiseln in einem jüdischen Supermarkt genommen hatten. Doch diesmal dürfte die Erschütterung noch tiefer sitzen. Denn anders als bei den Anschlägen im Januar richtete sich die Gewalt jetzt wahllos gegen jeden, der in Paris unterwegs war. Die Aussage, dieser Anschlag wende sich gegen uns alle, bekommt da eine neue, unmittelbarere Bedeutung.

Während die Politiker noch um Worte ringen, läuft gleichzeitig in Deutschland der Sicherheitsapparat an. Noch in der Nacht verstärkte die Berliner Polizei ihre Sicherheitsvorkehrungen vor französischen Einrichtungen.

Seehofer will Grenzkontrollen

Am Vormittag traf sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière dann mit den Spitzen der Sicherheitsbehörden. Mittags kam die Kanzlerin mit dem sogenannten Sicherheitskabinett zusammen. Dazu gehören die Ressorts Außen, Innen und Verteidigung. "Auch Deutschland steht unverändert stark im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus", beschreibt de Maizière anschließend die Lage. Man habe die gebotenen Maßnahmen ergriffen. So sei die Präsenz der Bundespolizei zum Beispiel auf Flughäfen und Bahnhöfen erhöht worden. Die Beamten seien zudem robuster ausgestattet. Außerdem würden die in Deutschland bekannten islamistischen Verdächtigen streng überwacht.

Noch vor den Treffen des Sicherheitskabinetts sprachen sich Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) für verstärkte Grenzkontrollen aus. "Wir müssen wissen, wer bei uns ist und wer durch unser Land fährt", sagte Seehofer auf dem Landesparteitag der sächsischen CDU.

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Stephan Mayer, warnte zwar davor, nun in Aktionismus zu verfallen. "Insgesamt sind wir gut aufgestellt", sagte er ZEIT ONLINE. Zugleich forderte er aber, wieder verstärkt von dem Mittel der Zurückweisung an den deutschen Außengrenzen Gebrauch zu machen. Dies gelte insbesondere für Personen, die sich nicht ausweisen könnten.