In China hat der Prozess gegen den bekannten Menschenrechtsanwalt Pu Zhiqiang begonnen. Nach kurzer Verhandlung wurde er unterbrochen. Der Anwalt des 50-Jährigen, Mo Shaoping, sagte, er rechne damit, dass das Urteil "sehr bald" fallen werde.

Die Anklage wirft Pu nach Angaben des Anwalts vor, "zu ethnischem Hass angestachelt" sowie "Streit und Ärger provoziert zu haben". Die Vorwürfe beziehen sich demnach auf mehrere Internet-Kommentare, in denen Pu staatliche Medienberichte über eine Messerattacke in der Unruheprovinz Xinjiang angezweifelt und Politiker der Kommunistischen Partei der Lüge bezichtigt hatte. Ihm drohen bis zu acht Jahre Haft.

Pu war zudem ein entscheidender Akteur beim erfolgreichen Kampf um die Aufhebung eines Arbeitslagersystems, das der Polizei erlaubte, Personen ohne Gerichtsprozess für bis zu vier Jahre einzusperren. Die jetzt erhobenen Anschuldigungen beziehen sich auf eine Reihe von Posts auf dem chinesischen Pendant von Twitter, Sina Weibo.

Vor dem Gericht in der Hauptstadt Peking gerieten Polizisten mit Anhängern Pus aneinander. Mindestens drei Menschen wurden abgeführt. Polizisten und Männer in Zivil bedrängten auch den US-Diplomaten Dan Biers, der vor dem Gericht eine Erklärung verlesen wollte. Anwälte und Bürgerrechtler sollten nicht "Repressionen" ausgesetzt sein, sondern sich daran beteiligen dürfen, aus China ein "erfolgreiches und stabiles" Land zu machen, forderte er. Auch ein EU-Diplomat wurde niedergeschrien, als er eine kritische Stellungnahme verlesen wollte.

Der Club der Auslandskorrespondenten in China (FCCC) hat gegen das gewaltsame Vorgehen von Sicherheitskräften protestiert. In einer Erklärung forderte die Vereinigung in Peking, "die Belästigung und gewaltsame Einschüchterung ausländischer Journalisten einzustellen". Vor dem Gerichtsgebäude hätten Beamte in Uniform und Zivil ausländische Korrespondenten, Kameraleute und chinesische Mitarbeiter geschlagen, gestoßen und weggedrängt. Der Versuch, die Berichterstattung zu verhindern, sei ein Verstoß gegen die Regeln für ausländischer Korrespondenten in China, kritisierte der FCCC.

Pu hatte in der Vergangenheit unter anderem den Künstler und Dissidenten Ai Weiwei vertreten. Seine Verteidigung vermutet politische Motive hinter der Anklage. Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International, aber auch die US-Regierung, forderten seine Freilassung. Auch der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer (SPD), kritisierte das Verfahren gegen Pu.

Aktivisten werfen der chinesischen Staatsführung ein hartes Vorgehen gegen Regierungskritiker vor. Hunderte Dissidenten, Künstler und Aktivisten wurden in den vergangenen Jahren inhaftiert. Pu wurde im Mai 2014 kurz nach der Teilnahme an einem Diskussionstreffen anlässlich des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens 25 Jahre zuvor festgenommen.