Vertreter des Auswärtigen Amtes zeigten sich verärgert über eine Warnung des Bundesnachrichtendienstes (BND) vor einer destabilisierenden Rolle Saudi-Arabiens in der arabischen Welt. "Der BND spricht sicher nicht für die deutsche Außenpolitik, schon gar nicht über Dritte", hieß es aus dem Außenministerium. Der BND solle die Bundesregierung mit Informationen versorgen und "hoffentlich" kluge Analysen liefern. Ohne eine konstruktive Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien werde es nicht gelingen, in Syrien und anderswo in der Region die politischen Fortschritte zu erzielen, die dringend gebraucht würden.

Auch die Bundesregierung hat verstimmt auf die Veröffentlichung der kritischen Saudi-Arabien-Analyse reagiert und sich zugleich von deren Inhalt distanziert. "Die in diesem Fall öffentlich gemachte Bewertung spiegelt nicht die Haltung der Bundesregierung wider. Die Bundesregierung betrachtet Saudi-Arabien als wichtigen Partner in einer von Krisen geschüttelten Weltregion", sagte ein Regierungssprecher.

Zuvor war eine Analyse des BND bekannt geworden, in der es unter anderem heißt: "Die bisherige vorsichtige diplomatische Haltung der älteren Führungsmitglieder der Königsfamilie wird durch eine impulsive Interventionspolitik ersetzt." So wollten sich der neue König Salman und sein Sohn Mohammed als Anführer der arabischen Welt profilieren. Nach Ansicht des BND ist ein abnehmendes Vertrauen Saudi-Arabiens in die USA für das Verhalten des Landes ausschlaggebend.