Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) setzt trotz Kritik und Problemen bei der Umsetzung des EU-Flüchtlingspaktes mit der Türkei auf einen langfristigen Erfolg ihrer Zusammenarbeit mit der türkischen Regierung. "Wenn Schwierigkeiten auftauchen, versuche ich sie zu überwinden oder andere Wege zu finden, damit wir es schaffen, eine Herausforderung zu meistern", sagte Merkel der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS).

Zugleich äußerte Merkel Verständnis für Kritik an den Verhältnissen in der Türkei. Sie wandte sich aber gegen Kritik, die immer wieder das Scheitern des Paktes mit der Türkei vorhersage. "Was mich irritiert, ist, dass ich manchmal fast so etwas wie eine Freude am Scheitern beobachte", sagte die CDU-Vorsitzende, ohne Namen zu nennen. Ihr Politikverständnis sei anders: "Ich will etwas zum Gelingen beitragen." Das sei oft genug sehr mühsam und dauere lange. Unter anderem hatte sich CSU-Chef Horst Seehofer mehrfach skeptisch über das Abkommen mit der Türkei geäußert.

Merkel reist an diesem Sonntag zu einem Kurzbesuch nach Istanbul, um an einem UN-Nothilfegipfel teilzunehmen. Am Montag ist zudem ein Treffen mit Präsident Recep Tayyip Erdoğan geplant. Thema dürfte vor allem die Umsetzung des umstrittenen Flüchtlingsabkommens sein.

Für Unruhe in der Bundesregierung und in EU-Kreisen sorgt aber auch der Beschluss des Parlaments in Ankara, die Immunität vor allem von Abgeordneten der prokurdischen Oppositionspartei HDP aufzuheben. Zahlreiche Politiker hatten den Beschluss scharf kritisiert. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) sprach von einem schweren Schlag gegen die Demokratie.