Das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat soll nach dem Willen der EU-Kommission zunächst noch weitere zwölf bis 18 Monate in Europa angewendet werden dürfen. Damit wolle man der Europäischen Chemikalienagentur (Echa) Zeit gegeben, mögliche Gefahren zu prüfen, sagte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis. Die Behörde soll klären, ob ein gesundheitliches Risiko von der Chemikalie ausgeht. Laut mancher Forscher steht sie im Verdacht, krebserregend zu sein.

Auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse will die EU-Kommission dann erneut versuchen, über eine dauerhafte Zulassung von Glyphosat zu entscheiden. "Ich bin davon überzeugt, dass wir unsere Entscheidung auf wissenschaftlich fundierter Basis treffen sollten, und nicht aufgrund von politischen Interessen", sagte Andriukaitis.

Am Montag will die EU-Kommission den Vorschlag mit den Mitgliedsländern erörtern, die über die Zulassung abstimmen. Deutschland wird sich dabei wohl enthalten. Die Bundesminister der SPD sind gegen eine Verlängerung der Zulassung, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Agrarminister Christian Schmidt (CSU) dafür. Mit einer Enthaltung Deutschlands ist eine qualifizierte Mehrheit für die Verlängerung fraglich, weshalb die EU-Kommission eine Abstimmung zuvor verschoben hatte.

Können sich die EU-Staaten nicht bis zum 30. Juni auf eine gemeinsame Position einigen, muss die Brüsseler Behörde selbst entscheiden. Nach Angaben von Andriukaitis können jene EU-Staaten, die den Gebrauch von Glyphosat nicht wünschen, das Mittel auch trotz einer Zulassung untersagen.

Glyphosat - Diskussionen um Unkrautvernichter Die EU will diese Woche über die Neuzulassung von Glyphosat entscheiden. Unklar ist bislang, ob das Unkrautvernichtungsmittel krebserregend ist oder nicht.