Wer folgt auf David Cameron? Auf jeden Fall nicht der frühere Londoner Bürgermeister Boris Johnson: "Ich werde nicht diese Person sein", sagte er und verteidigte sein Eintreten für einen Brexit: "Die Propheten des Untergangs liegen beim Brexit falsch."

In seiner Rede forderte Johnson, dass der neue Premierminister die Konservative Partei einen müsse. "Das ist unsere Chance", sagte Johnson. Es sei an der Zeit, eine Wirtschaft zu erschaffen, bei der jeder vom Erfolg profitiere. Zugleich wandte sich Johnson gegen die fremdenfeindliche Stimmung in Teilen des Brexit-Lagers. "Immigranten sind willkommen", sagte er.

Als stärkste Kandidatin für die Cameron-Nachfolge gilt nun Theresa May. Die bisherige Innenministerin vertrat im Wahlkampf einen Bremain-Standpunkt. Eine Europa-Befürworterin ist May trotzdem nicht, was sie strategisch zur perfekten Kandidatin macht: May könnte die über das Thema gespaltene Partei und auch die Bevölkerung mit einem gemäßigten Kurs in den weiteren Verhandlungen mit der EU einen. Neben May treten außerdem Justizminister Michael Gove, Energieministerin Andrea Leadsome, Arbeitsminister Stephen Crabb und der frühere Verteidigungsminister Liam Fox an.

Nach dem Ende der Nominierungsfrist wählen Parteiabgeordnete zwei Kandidaten aus. Über diese stimmen dann alle Parteimitglieder per Briefwahl ab. Das Ergebnis des Votums wird Anfang September erwartet.

Auch die oppositionelle Labour-Partei steckt weiter tief in der Krise. Die Labour-Fraktion im Parlament hatte Parteichef Jeremy Corbyn am Dienstag mit 172 zu 40 Stimmen das Misstrauen ausgesprochen. Viele Labour-Mitglieder werfen Corbyn vor, nicht entschieden genug für den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union gekämpft zu haben. Zudem fürchten sie, dass sie eine mögliche Neuwahl mit Corbyn an der Spitze nicht gewinnen können.