Großbritannien entscheidet über einen möglichen Brexit – und in ganz Europa fragen sich die Menschen: Was ist das überhaupt? Allen voran die Briten selbst. "What is Brexit" ist die Frage, die sie am häufigsten bei Google in Zusammenhang mit dem EU-Referendum stellen.

Der Informationsdienst Google Trends hat die beliebtesten Suchanfragen zu einem möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU aus allen Staaten der Europäischen Union von Januar bis Mai 2016 ausgewertet. Auf seiner Website präsentiert er eine Rangfolge der Top 5 Fragen aus jedem Land

Auffällig ist, dass weit mehr Briten googeln, weshalb sie die EU verlassen, aber nicht weshalb sie bleiben sollten. Das Suchvolumen für "Why should we leave the EU" ist konstant höher als die positiv formulierte Frage "Why should we stay?".

Das Anliegen des britischen Premierministers David Cameron ist es, Teil der Europäischen Union zu bleiben. Tatsächlich wusste aber ein Großteil der Wähler im vergangenen Monat gar nicht, dass Cameron überhaupt für ein "Ja" wirbt. Der Regierungschef hat also noch viel Aufklärungsarbeit vor sich, bevor die Wähler am kommenden Donnerstag über einen Brexit entscheiden werden. Seine Argumente klar unters Volk zu bringen war ein Problem, das den gesamten Wahlkampf durchzog.

"Was ist 'Brexit'?" Es gibt kaum ein EU-Land, in dem die Frage nicht unter den Top 5 der häufigsten Google-Suchtrends auftaucht. Genauer gesagt sind es nur fünf EU-Länder, deren Bürger diese Frage seltener stellen: Kroatien, Zypern, Ungarn, Lettland und Slowenien. Die Europäer informieren sich darüber hinaus zu möglichen Konsequenzen eines EU-Austritts. Sie wollen wissen, was ein Brexit für die Börse, das Pfund, die Wohnungspreise bedeutet und vor allem, wie ein Austritt ihr persönliches Leben beeinflussen könnte.

Wird der Brexit einen Domino-Effekt auslösen?
Ungarn

Vor allem Deutsche und Letten wollen politische und ökonomische Fragen beantwortet haben: "Was bedeutet 'Brexit light'?" und "Warum ist der Brexit schlecht für Londons Finanzzentrum?" fragt man sich in Deutschland. Auch die Fragen der Ungarn lassen erahnen, dass man sich hier intensiver mit dem Gedanken eines EU-Austritts beschäftigt, als in manch anderem Mitgliedsland. Gar nicht so überraschend, droht die Regierung von Viktor Orbán doch regelmäßig ihrerseits mit einem EU-Austritt.

"Wird der Brexit einen Domino-Effekt auslösen?" ist eine der Fragen, welche die Ungarn am häufigsten stellen. Die Suche lässt allerdings keine eindeutige Interpretation zu: Stellen Leute diese Frage aus Angst oder liebäugeln sie vielleicht mit dem eigenen Austritt. Zumindest erahnen lässt die Wortwahl allerdings, dass viele Menschen den Zusammenbruch der EU durchaus fürchten: Wird der Brexit "die Staatengemeinschaft kollabieren" lassen, ist ebenfalls eine Frage, die unter den Top-5-Suchfragen bei Google Ungarn landet.

Die Iren formulieren übrigens lockerer und ganz allgemein: "Was läuft eigentlich falsch in der EU?"