Die türkische Religionsbehörde hat 1.112 Mitarbeiter wegen des Verdachts der Unterstützung des Putschs gegen Präsident Recep Tayyip Erdoğan entlassen. Darunter seien Prediger und Koranlehrer, teilte die Behörde mit. Die türkische Regierung macht den Prediger Fethullah Gülen für den Aufstand verantwortlich. Nach Auffassung von Erdoğan stützte sich der gescheiterte Putsch auf ein Netzwerk von Gülen-Anhängern. Der im selbst gewählten US-Exil lebende Gülen bestreitet die Vorwürfe.

Über Jahrzehnte hat Gülen ihm nahestehende Schulen, gemeinnützige Einrichtungen und Betriebe aufgebaut. Nach dem Putschversuch wurden bislang über 60.000 Angehörige des Militärs, Beamte, Lehrer und andere Staatsbedienstete entlassen, versetzt oder festgenommen. Nach Angaben von Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu wurden auch zwei Botschafter, die sich derzeit in Ankara aufhielten, wegen mutmaßlicher Verbindungen zum Putschversuch entlassen.

Auch die überwiegende Mehrheit der Türken folgt der Darstellung des Präsidenten über die Hintergründe des gescheiterten Militärputsches. Fast zwei Drittel der Bürger gehen einer Umfrage zufolge davon aus, dass Gülen der Drahtzieher des am 15. Juli gescheiterten Aufstandes ist. Die Regierung in Ankara fordert seit Tagen die Auslieferung des seit 1999 in den USA lebenden Predigers.

Nach der Erhebung vom Institut Andy-Ar glauben 64,4 Prozent der knapp 1.500 Befragten an Gülen als Hauptschuldigen. 3,8 Prozent meinten, der Aufstand gehe auf die USA zurück, 3,6 Prozent sahen andere ausländische Mächte am Werk. 2,2 Prozent glauben, Erdoğan sei eigentlicher Urheber der Ereignisse. Mehr als 81 Prozent der Befragten befürworteten die Auslieferung Gülens. Zudem glaubten über 72 Prozent, der Aufstand der Offiziere sei vom Ausland unterstützt worden.