Ursula von der Leyen ist gegen eine Wiederbelebung der Wehrpflicht. "Eine Rückkehr zur Wehrpflicht brächte uns aktuell überhaupt keinen Mehrwert", sagte die Verteidigungsministerin den Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND). Sie könne nicht erkennen, dass sich die Sicherheitslage absehbar wieder in Richtung Wehrpflicht entwickle. Das Aussetzen der Wehrpflicht habe der Bundeswehr vielmehr "gut getan", sagte die CDU-Politikerin.

Seit der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht im Jahr 2011 habe die Bundeswehr "sich seitdem stark modernisiert, um junge Menschen zu gewinnen und Fachkräfte zu halten". Im Ergebnis sei die Truppe gut aufgestellt mit den jungen Menschen, die freiwillig kämen, um ihren Beruf mit hoher Professionalität auszuüben, sagte von der Leyen. "Ganz abgesehen davon, dass uns die Kapazitäten für eine breite Grundausbildung Hunderttausender junger Männer und Frauen fehlten."

Laut von der Leyen braucht die Bundeswehr allerdings mehr Frauen und Bewerber mit Migrationshintergrund, um weniger verstaubt und gestrig zu wirken. Es tue der Bundeswehr gut, wenn sie für Frauen genauso interessant werde wie für Männer, sagte sie dem RND. Dabei gehe es auch um neue positive Perspektiven. "Je homogener eine Gruppe ist, desto eindimensionaler der Blick auf Risiken und Chancen", warnte die Ministerin.

Das Bundeskabinett hatte die neu beschlossene Zivilschutzstrategie für einen Krisenfall vorgestellt. An einigen Stellen wird darin die Möglichkeit der Wiedereinführung der Wehrpflicht angedeutet. Rechtlich ist es so, dass die Wehrpflicht in Deutschland seit dem 1. Juli 2011 ausgesetzt ist, da sie aus Sicht der Bundesregierung ihre sicherheitspolitische und militärische Bedeutung verloren hatte. Der Pflichtdienst ist aber weiterhin im Grundgesetz verankert und könnte mit einem einfachen Gesetz wieder eingeführt werden.

In der Union waren Gedankenspiele für ein Wiederaufleben der Wehrpflicht laut geworden. So plädierte etwa der frühere Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) für eine Wiedereinführung der Wehrpflicht. "Ich finde es sinnvoll, die Bundeswehr in der Bevölkerung verankert und eingebunden zu haben. Das hat die Wehrpflicht garantiert", hatte Jung dem Badischen Tagblatt gesagt. "Ich habe sie als Verteidigungsminister nicht abgeschafft und stehe dazu."