Vizekanzler Sigmar Gabriel hat die Kindergeldpläne von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zurückgewiesen. "Ich habe Herrn Schäuble angeboten, dass wir Familien noch vor der nächsten Bundestagswahl spürbar entlasten. Und dann kommt als Reaktion zwei Euro Kindergelderhöhung", sagte Gabriel der Bild am Sonntag. "Da muss man aufpassen, dass man sich nicht lächerlich macht."

Gabriel forderte stattdessen Investitionen in die Betreuungsinfrastruktur: "Wir brauchen keine Erhöhung mit der Gießkanne um zwei Euro, sondern wir müssen gezielt entlasten", sagte der SPD-Chef und Bundeswirtschaftsminister. "Den Menschen wäre mehr geholfen, wenn überall die Kita-Gebühren abgeschafft werden würden. Wir brauchen bundesweit gebührenfreie Kitas. Da ist auch der Bund in der Pflicht."

Schäuble hatte in seiner Haushaltsrede im Bundestag vergangene Woche angekündigt, dass die Bundesbürger ab 2017 entlastet werden sollen. Der Finanzminister möchte Anfang kommenden Jahres Kinderfreibetrag, Grundfreibetrag und Kindergeld erhöhen.

Auch Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) hatte die Kindergeldpläne als unzureichend kritisiert. Die Familien würden sich fragen, ob die Politik eigentlich wisse, wie teuer das Leben mit Kindern sei, sagte Schwesig. "Deshalb bin ich nicht dafür, dass es alleine bei dieser pflichtgemäßen Anhebung bleibt, sondern dass wir ganz gezielt in diesem Zusammenhang die Familienleistung weiter verbessern." Das solle nicht "per Gießkanne" geschehen, sondern dort, wo Familien es brauchen. Schwesig will etwa den Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende ausweiten und den Kinderzuschlag erhöhen. Auch Verbände und Opposition hatten Schäubles Kindergeldpläne heftig kritisiert.

Ob die Beträge bereits 2016 oder erst 2017 steigen könnten, ließ Schäuble offen. Zuletzt wurde das Kindergeld zum Jahresbeginn 2010 erhöht. Es beträgt derzeit für die beiden ersten Kinder je 184 Euro pro Monat und steigt für weitere Kinder auf bis zu 215 Euro.