Knapp sechs Wochen vor der US-Wahl hat sich die New York Times offiziell hinter die Demokratin Hillary Clinton gestellt. Die Redaktionsleitung des Blattes lobte die Präsidentschaftskandidatin dafür, dass sie viel Erfahrung und pragmatische Ideen biete. Clinton zähle zu den beständigsten Politikern ihrer Generation. Ihre Bereitschaft, Dinge zu lernen und gegebenenfalls zu korrigieren, sei selten in einer "Zeit unnachgiebiger Parteinahme", hieß es.

Mit ihrem Artikel wolle die Zeitung all diejenigen überzeugen, die noch zögerten, für Clinton zu stimmen. Ihr republikanischer Rivale Donald Trump wurde dagegen als der schlechteste Nominierte einer der großen Parteien in der modernen US-Geschichte beschrieben.

Clinton habe die nötigen Fähigkeiten, die politischen Herausforderungen der nächsten Jahre zu meistern, heißt es weiter. "Unsere Unterstützung wurzelt in Respekt für ihren Intellekt, ihre Erfahrung, Zähigkeit und ihren Mut", den sie in ihrer langen Karriere gezeigt habe. Die Zeitung zählt die anstehenden Herausforderungen wie den Kampf gegen den Terrorismus, den Druck der Globalisierung und den demokratischen Werteverfall auf. Ihr lebenslanges Engagement, in der realen Welt Probleme zu lösen, qualifiziere Clinton für diese Aufgabe, "und das Land sollte es ihr ermöglichen, sich an die Arbeit zu machen".

Auch die aktuelle Mailaffäre bringt die New York Times zur Sprache und spricht von einer schlechten Entscheidung, dass Clinton ihren privaten Mailaccount genutzt habe. Ebenso wird ihre Zustimmung als Senatorin zum Irak-Krieg als Fehler gewertet. Allerdings habe sie ihre Beweggründe dafür dargelegt, schreibt das Blatt. Clinton hatte in ihrer Autobiographie selbst die Entscheidung aus dem Jahr 2002 bedauert.

Die New York Times hat seit John F. Kennedy im Jahr 1960 ausschließlich Präsidentschaftskandidaten der Demokraten unterstützt. Letztmalig hinter einen Republikaner gestellt hatte sich die Zeitung in den Jahren 1952 und 1956, als Dwight D. Eisenhower für die Partei angetreten war. Ihre allererste Unterstützung gab sie 1860 dem Republikaner Abraham Lincoln.

Am Montag kommt es an der Hofstra-Universität in Hempstead auf Long Island im Bundesstaat New York zum ersten TV-Duell zwischen Clinton und Trump. In einer am Freitag veröffentlichten Ipsos-Erhebung führt die ehemalige First Lady mit 41 Prozent vor Trump mit 37 Prozent.