Die syrische Metropole Aleppo ist Rebellen und Beobachtern zufolge erneut von den syrischen und russischen Streitkräften heftig angegriffen worden. Syrische Einheiten nahmen demnach die von Aufständischen kontrollierte Altstadt unter Beschuss.

Dabei soll nach Angaben von Aktivisten und Ärzten auch eines der letzten Krankenhäuser in den Rebellengebieten bombardiert worden sein. Die Klinik im Nordosten der Stadt sei von zwei Fassbomben getroffen worden, erklärte ein Mediziner. Die Rettungshelfer der Weißhelme meldeten, das Krankenhaus sei nun völlig außer Betrieb. Der Hilfsorganisation Syrisch-Amerikanische Medizinische Gesellschaft (Sams) zufolge handelt es sich um die größte von insgesamt acht Kliniken in Aleppos Rebellengebieten. Das Gebäude und ein anderes Krankenhaus im von Regimegegnern beherrschten Osten der Stadt waren bereits am Mittwoch getroffen worden.

Anschließend hatten Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen dem UN-Sicherheitsrat Versagen bei der Umsetzung einer Resolution zum Schutz von Krankenhäusern in Konfliktgebieten wie Syrien und Jemen vorgeworfen. Schuld an der Untätigkeit sei "ein Mangel an politischem Willen – unter den Ratsmitgliedern, die dort in Koalitionen kämpfen, und jenen, die dies ermöglichen", kritisierte die Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen, Joanne Liu. "Viele Angriffe werden stattdessen als Fehler abgetan." 

Frankreich verurteilt den Angriff

Frankreich reagierte empört auf die Angriffe auf Krankenhäuser in Aleppo. Es sei unglaublich, dass Gesundheitseinrichtungen und deren Personal systematisch Ziele von Angriffen seien, sagte Außenminister Jean-Marc Ayrault.  Er forderte ein Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen in der nordsyrischen Stadt. Die französische Regierung setze sich im UN-Sicherheitsrat dafür ein, das "nicht hinnehmbare Drama" zu beenden.

Russische Kampfflugzeuge sollen außerdem Rebellengebiete im Norden von Aleppo angegriffen haben, um die Versorgungswege in die Stadt zu zerstören. Aus syrischen Armeekreisen verlautete, es seien Geländegewinne gemacht worden. Rebellen wiesen dies zurück.

AFP/Getty
Wer kämpft in Syrien?

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Zerrissenes Land

Mehr als 400.000 Menschen sind in Syrien getötet worden, seit der Konflikt im Frühjahr 2011 als friedlicher Protest gegen die Regierung begann. Das Assad-Regime reagierte mit Gewalt, seine Gegner griffen zu den Waffen – heute herrscht Bürgerkrieg.

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Seit Beginn des Bürgerkriegs sind große Teile Syriens der Kontrolle des Regimes entglitten. Sie werden von unterschiedlichsten Milizen gehalten. Auch von außen erfahren die Kriegsparteien Unterstützung, und andere Länder greifen in den Krieg ein.

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Verhandlungen für eine politische Lösung sind immer wieder gescheitert, ebenso mehrere Waffenruhen. Humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung ist kaum möglich. So bleibt es dabei: Jeder kämpft seinen eigenen Krieg, ein Frieden ist nicht in Sicht.

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Vor knapp zwei Wochen war eine von den USA und Russland vereinbarte Waffenruhe für Syrien gescheitert. Danach startete die syrische Armee mit Russland eine Großoffensive, bei der viele Menschen getötet wurden. Gespräche der USA und Russlands über eine Wiederherstellung der Feuerpause gestalten sich schwierig. Die beiden Staaten werfen sich gegenseitig vor, den Konflikt anzuheizen. Die USA haben damit gedroht, die diplomatische Zusammenarbeit mit Russland in Syrien einzustellen.

Warnung aus Moskau

Das russische Außenministerium wiederum warnte vor möglichen US-Angriffen auf die syrische Regierungsarmee. "Wenn eine direkte Aggression der USA gegen Damaskus und die syrische Armee beginnt, bringt das schreckliche tektonische Verschiebungen nicht nur für dieses Land, sondern für die ganze Region", sagte eine Ministeriumssprecherin. Ein Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad bedeute ein Machtvakuum, das nicht von der gemäßigten Opposition, sondern "von Terroristen aller Art" ausgenutzt werde.

Die US-geführte Koalition hat nach eigenen Angaben bislang keine geplanten Angriffe auf die syrische Armee geflogen. Ein Luftangriff am 17. September, bei dem etwa 100 syrische Soldaten starben, sei laut USA ein Irrtum gewesen. Russland ist die militärische Schutzmacht Assads.