Man kann schnell den Überblick verlieren in der aktuellen Debatte um die Rente. Aus Politik und Wirtschaft werden dieser Tage immer neue Ideen zur Sanierung unseres Altersvorsorgesystems eingebracht. Welche Vorschläge liegen auf dem Tisch? Und was ist von ihnen zu halten?

1. Mehr einzahlen, bitte!

Der momentan prominenteste Vorschlag kommt von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles. Sie will verhindern, dass die Höhe der Rente im Vergleich zum Durchschnittseinkommen weiter sinkt. Erst im September hatte ihr Ministerium Zahlen vorgelegt, die einen dramatischen Rückgang des gesetzlichen Rentenniveaus vorhersagen. Aktuell erhalten Rentner 47,8 Prozent des Durchschnittslohns aus der gesetzlichen Rentenkasse, bis 2045 könnte das Niveau auf etwa 41,6 Prozent sinken.

Nahles will diese Entwicklung stoppen und eine "verlässliche Haltelinie" schaffen. Ihre Lösung ist einfach und hart: höhere Rentenbeiträge. Derzeit ist per Gesetz eine Höchstgrenze von 22 Prozent des Bruttolohns bis zum Jahr 2030 festgelegt, diese wird wohl nicht zu halten sein, sagt die Ministerin. Die Beiträge sollen aber "nicht in den Himmel schießen". Wie genau das funktionieren soll, ist noch unklar.

Für Rentenexperte Johannes Geyer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt Nahles' Vorschlag nicht überraschend. "Seit Jahren hat das Bundesministerium nicht über das Jahr 2030 hinausgeschaut. Die Prognosen zeigen aber, dass etwas gemacht werden muss", sagt er. Arbeitgeberverbände sehen Nahles' Vorschlag kritisch. "Eine weitere Erhöhung der Beiträge hätte zwangsläufig negative Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen", sagt Alfred Gaffal, Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft.

2. Länger Leben, länger arbeiten

Wer ein hohes Rentenniveau möchte, aber keine hohen Beiträge zahlen will, muss länger arbeiten. Zu diesem Schluss kam die Bundesbank in ihrem Monatsbericht im August. Wird das Renteneintrittsalter bis 2060 nicht auf 69 erhöht, könnte das Rentenniveau drastisch auf unter 40 Prozent des Durchschnittseinkommens sinken. Da die Lebenserwartung steigt, beziehen die Menschen auch länger Rente. Daher sei es fair, sie länger einzahlen zu lassen.

"Aber kann ein Dachdecker bis ins hohe Alter arbeiten?", gibt Geyer zu bedenken. Außerdem steige im Alter generell die Gefahr, krank zu werden. Wer vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheidet, muss bisher drastische Einbußen bei der Rente hinnehmen.

Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management, plädiert dafür, die Vorstellung aufzugeben, dass jeder lebenslang denselben Beruf machen muss. "Auch jemand, der als Dachdecker gearbeitet hat, kann im Alter andere Tätigkeiten ausüben." Fair sei es, wenn jeder gibt, was er kann.