Das Pariser Klimaabkommen ist ein enormer Erfolg der Diplomatie – sein rasches Inkrafttreten am vergangenen Freitag vielleicht noch mehr. Doch die eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt.

Im Abkommen haben die 193 Unterzeichner sich verpflichtet, die globalen Emissionen in den kommenden Jahrzehnten gegen null zu reduzieren. 100 von ihnen, erstaunlich viele, haben den Vertrag schon ratifiziert.

Jetzt kommt es darauf an, was die Unterzeichner in der Praxis tun, um ihr Versprechen zu halten. Schon vor dem Pariser Klimagipfel hatten sie ihre nationalen Klimaschutzzusagen (INDCs) bei den Vereinten Nationen eingereicht. In den kommenden zwei Jahren müssen sie erste Ergebnisse liefern. Sie werden zeigen, wie ernst es ihnen mit der globalen Transformation zu einer Nullemissionswirtschaft ist.

Finanziell ist der Rahmen klar. Ab 2020 sollen jährlich 100 Milliarden US-Dollar für die Umsetzung des Klimaschutzvertrags bereitgestellt werden.

In dem Maße, wie die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen in den Fokus rückt, verlässt die Klimapolitik ihre Komfortzone. Lange Zeit nicht geklärte internationale Rahmenbedingungen und blockierte Verhandlungen waren bisher ein bequemes Alibi, um großzügig über die Defizite der praktischen Klimapolitik hinwegzusehen. Doch das ändert sich mit dem Pariser Abkommen.

Klimafinanzierung im Wartestand

Eine genauere Betrachtung des bisher Erreichten stimmt skeptisch. Zum Beispiel bei der internationalen Klimafinanzierung.

Die Globale Umweltfazilität GEF ist ein zentrales Instrument zur Finanzierung des globalen Umweltschutzes. In den vergangenen Jahren gingen bei ihr zahlreiche Anträge auf finanzielle Unterstützung für Klimaschutzvorhaben ein. In ihrem gegenwärtigen vierjährigen Förderzyklus wird sie voraussichtlich drei Milliarden US-Dollar für den Klimaschutz verteilen – lediglich ein Bruchteil der 100 Milliarden, die die internationale Gemeinschaft für jedes Jahr in Aussicht gestellt hat.

Und es dauert lange, Programme zur Minderung von Treibhausgasen oder zur Anpassung an den Klimawandel in die Praxis umzusetzen. Allein durchschnittlich ein Jahr vergeht zwischen der Förderzusage durch die Geber und dem Start des Projekts. Aber auch schon vorher braucht es von der eigentlichen Projektidee bis zur erfolgreich abgeschlossenen Bewerbung oft mehrere Jahre. Wohlgemerkt: Wir sprechen hier nur von der Vorphase eines Klimaschutzvorhabens – Zeit, in der noch keine Tonne Kohlendioxid eingespart wurde und noch kein Land oder Kommune sich auf veränderte klimatische Bedingungen eingestellt hat.

Diese Verzögerungen verdeutlichen eine bereits heute vielfach bestehende Überforderung sowohl bei Gebereinrichtungen als auch in den Empfängerländern. Und die Herausforderung wird nicht kleiner, denn die Anzahl und Komplexität der Projektanträge werden in Zukunft noch stark zunehmen.