Für seine "entschlossenen Anstrengungen, den mehr als 50 Jahre andauernden Bürgerkrieg in dem Land zu beenden", hat Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos den diesjährigen Friedensnobelpreis erhalten. Die Verkündung dieser Entscheidung nur wenige Tage nach dem verlorenen Referendum über das Abkommen zwischen der kolumbianischen Regierung und den linken Rebellen der Farc (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) hat die Hoffnung auf  Frieden neu belebt. Und tatsächlich hat die Regierung Ende November ein neues Abkommen mit der Farc ausgehandelt. Darüber hinaus hat der Nobelpreis ein positives Signal für ähnliche Verhandlungen auch in anderen Ländern gesandt, in denen ein Bürgerkrieg tobt.

Bei seit 1964 andauernden Kämpfen mit der Farc sind mindestens 200.000 Menschen gestorben, sechs bis sieben Millionen Menschen wurden zur Flucht gezwungen. Dies macht ihn zu einem der gewalttätigsten und langwierigsten Bürgerkriege der Welt.

Warum ist es oft so schwierig, Bürgerkriege zu beenden? Wodurch wurde ein Abkommen mit der Farc in der Vergangenheit verhindert? Und wie ist es Santos nun gelungen, diese Hindernisse zu überwinden? Die Analyse dieser Fragen macht die Preiswürdigkeit des kolumbianischen Friedensabkommens und seines Architekten deutlich.

Bürgerkriege werden selten militärisch beendet. Vielmehr ziehen sie sich – nach anfänglichen Erfolgen der einen oder anderen Seite – meist über längere Zeit hin, geraten in einen Stillstand und flackern dann wieder auf. Gelöst werden können sie aber schließlich in der Regel nur politisch.

Angesichts der Tatsache, dass der Bürgerkrieg in Kolumbien 52 Jahre andauerte, stellen sich zwei Fragen. Erstens: Wie konnte sich der Konflikt überhaupt so lange hinziehen? Und zweitens: Was hat den Abschluss eines Friedensabkommens über ein halbes Jahrhundert lang verhindert?

Die Antwort auf die erste Frage ergibt sich aus der Art, wie dieser Konflikt ausgefochten wurde. Es war ein Guerillakampf in einem Land mit großen, abgelegenen und schwer zugänglichen Gebieten, die viele Verstecke bieten und von der Regierung nicht effektiv kontrolliert werden konnten. In diesen Gebieten profitierte die Farc mit ihrer marxistischen Ideologie von der dort herrschenden Armut und fehlenden Bildung der Bevölkerung sowie von ihren Einkünften aus dem Drogenhandel und anderen illegalen Geschäften, wozu auch zahlreiche Entführungen gehörten.

Santos legte als Präsident ab 2010 ein umfassendes Programm auf, das Investitionen in Infrastruktur, die Verbesserung des Gesundheitswesens, den Wohnungsbau, die Errichtung neuer Schulen und Stipendienprogramme beinhaltete und zu einem großen Teil speziell auf arme Regionen ausgerichtet war. Diese Maßnahmen entzogen der Farc nach und nach den Nährboden und ließen erstmals Verhandlungsbereitschaft aufseiten der Rebellen entstehen.

Die Antwort auf die zweite Frage hat mit den Erwartungen beider Seiten zu tun: Was würde passieren, wenn die Rebellen ihre Waffen niederlegten und einer Einigung zustimmten? Aus Sicht der Farc bedeutete Entwaffnung, dass sie ihre Machtposition aufgeben würde. Zu so einem Schritt ist nur bereit, wer darauf vertrauen kann, dass Vereinbarungen eingehalten werden und Vergeltung nicht zu befürchten ist. In vielen Konflikten ist die Glaubwürdigkeit genau solcher Zusagen das Problem. Warum soll die Regierung ihre Zusagen bei nächstbester Gelegenheit nicht brechen und Zugeständnisse zurückzunehmen? Politikwissenschaftler sprechen von einem commitment problem, dem Problem der Selbstverpflichtung, das als Haupthindernis für den Friedensprozess in vielen Bürgerkriegen gilt.