Angela Merkel hat einen harten Kampf für internationalen Freihandel und offene Märkte angekündigt. Auf einer Veranstaltung der IHK Köln forderte sie deutsche Unternehmen auf, sich für diese Errungenschaften einzusetzen. Damit reagierte die Kanzlerin auf den gewählten US-Präsidenten Donald Trump, der eine protektionistische Wirtschaftspolitik anstrebt und der Merkel in einem Interview angegriffen hatte.

Mit Blick auf Trumps Wirtschaftspläne sagte Merkel, einige würden im Protektionismus Auswege suchen. Dabei hätten die Staaten die Finanzkrise durch Offenheit und Zusammenarbeit bewältigt. 

Auch in puncto Freihandelsabkommen widersprach Merkel Trump. "Ich bin da sehr entschieden. Aber die Zahl derer, die Zweifel anmelden, wird größer", sagte Merkel. Trotzdem sei sie zutiefst überzeugt, dass Offenheit und die Akzeptanz von Wettbewerb die besten Voraussetzungen zum Erhalt des Wohlstands in der Welt seien.

Die Diskussion um das von ihr unterstützte transatlantische Handelsabkommen TTIP sei notwendig, sagte Merkel. In einem Appell an die Unternehmen rief sie zum Zusammenhalt und Unterstützung auf: "Ich bitte Sie, nicht aus kurzfristigen Opportunitätsgründen von dem abzuweichen, was wir als grundlegend richtige und erfolgreiche Prinzipien erkannt haben." Wer nicht für seine Ideale und Grundwerte eintrete, werde nicht dauerhaft erfolgreich sein.

"Europa braucht keine Ratschläge"

Hintergrund von Merkels Rede ist ein Interview mit der Bild und der britischen Times, in dem Trump dem deutschen Autounternehmen BMW hohe Strafzölle angedroht und deutsche Unternehmen aufgefordert hat, ihre Produktion von Mexiko in die USA zu verlagern. Außerdem kritisierte er Merkels Flüchtlingspolitik als "katastrophalen Fehler" und stellte den Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt in Zusammenhang mit ihren Entscheidungen.

Der noch amtierende US-Außenminister nahm Merkel in Schutz. Es sei unangebracht, dass sich Trump in die Politik anderer Staaten so direkt einschalte, sagte Kerry dem Fernsehsender CNN. Merkel habe in der Flüchtlingskrise mutig gehandelt.

Unterstützung erhielt die Kanzlerin auch von Finanzminister Wolfgang Schäuble, der sich gegen Trumps Kritik an den deutschen Handelsüberschüssen verwahrte. Diese beruhten auf der Stärke der deutschen Wirtschaft, sagte der CDU-Politiker im ZDF. Der deutsche Erfolg sei eine wichtige Voraussetzung, dass Europa insgesamt seinen Beitrag zur Weltwirtschaft leiste. "Insofern ist die Kritik an den deutschen Überschüssen immer falsch gewesen. Und sie wird auch durch einen neugewählten Präsidenten nicht richtiger." Auch Schäuble warb für Freihandel statt Protektionismus, um Wirtschaftswachstum zu erzielen.

Ökonom warnt vor Handelskrieg

Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower, sieht sogar die Gefahr eines Handelskriegs. "Wenn die USA zum Beispiel Schritte gegen die deutsche Autoindustrie unternehmen, würde das wahrscheinlich Gegenmaßnahmen der EU nach sich ziehen", sagte Snower der Rheinischen Post.

Würden die USA Strafzölle für importierte Autos einführen, müssten sie dies aus rechtlichen Gründen für alle Fahrzeugtypen einer Kategorie tun, sagte Snower. "Dies hätte für die amerikanische Wirtschaft aufgrund der grenzüberschreitenden Lieferketten gravierende wirtschaftliche Schäden zur Folge." Denn in vielen Autos, die in Mexiko gefertigt oder vorgefertigt werden, steckten Vorleistungen aus US-Produktionen. "Flächendeckende Strafzölle wären, als würde man in einer Fabrik eine Mauer errichten", sagte Snower.

Wagenknecht für Bündnis mit Russland

Frankreichs Präsident François Hollande kritisierte Trumps Äußerungen, wonach die Nato obsolet sei. Dies sei erst dann der Fall, wenn auch die Bedrohungen obsolet seien. Europa brauche keine Ratschläge von außen. Man werde die transatlantische Zusammenarbeit fortsetzen, "aber sie wird in Abhängigkeit von seinen Interessen und Werten bestimmt werden".

Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht forderte nach Trumps Nato-Kritik, die EU müsse sich in Sicherheitsfragen von den USA unabhängig machen und ein eigenständiges Bündnis mit Russland eingehen. "Die Ankündigungen des zukünftigen US-Präsidenten legen gnadenlos die Fehler und Versäumnisse der Bundesregierung offen", sagte Wagenknecht den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Der Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Alexander Graf Lambsdorff (FDP),warnte vor voreiligen Schlüssen. Trumps Aussagen "blieben vage und in sich wenig schlüssig". Es sei daher noch viel zu früh, um die Politik des nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten zu bejubeln oder zu verdammen.

"Bisher hat er auf Nigel Farage gehört, ab Freitag hat er Minister – und die haben sich viel differenzierter geäußert als ihr Chef", fügte der Europa-Politiker hinzu. "Trotzdem: Trump wird ein unberechenbarer Präsident sein, der vor diplomatischen Affronts nicht zurückschreckt. Auf Deutschland und die EU kommt daher die Aufgabe zu, innerhalb der westlichen Allianz mehr Verantwortung zu übernehmen."