Dazu kommen andere Restriktionen, wie etwa die eingeschränkte Reisefreiheit in den kurdischen Südosten, wo das Militär ganze Distrikte zu No-Go-Zonen erklärt. Fragen an die Regierung, Justiz und verschiedene Ministerien werden selten beantwortet, selbst wenn es nur um eine Statistik geht. All das mache ihre Freude am Journalismus zunichte, sagt Evin. "Ich denke, das ist die Idee dahinter."

Türkische und ausländische Journalisten teilen eine weitere Sorge: das Warten auf die offizielle Presse-Akkreditierung. Das gelbe Kärtchen ist aus Sicht der türkischen Regierung eine Lizenz zum Schreiben. Wer sie nicht hat, darf kein Journalist sein. (Wenn Minister sagen, es säßen keine Journalisten in türkischen Gefängnissen, heißt das in Wirklichkeit: Diese Journalisten haben keine gültige Akkreditierung.) Seit dem Putschversuch hat die Regierung Hunderte dieser Karten für türkische Reporter annulliert.

Machtmittel Akkreditierung

Die Akkreditierung für ausländische Journalisten ist zugleich eine Arbeitserlaubnis, und hängt mit der Aufenthaltsgenehmigung zusammen. Ohne Akkreditierung ist es schwierig, frei zu berichten; vor einem Jahr zog der Spiegel seinen Korrespondenten aus der Türkei ab, weil dessen Karte nach monatelanger Wartezeit nicht verlängert wurde. Auch dieses Jahr warten noch einige Journalisten auf ihre Akkreditierung. "Ich warte seit zwei Monaten. Ich mache mir langsam Sorgen," sagt eine europäische Korrespondentin kurdischer Herkunft, die anonym bleiben möchte.

Auch sie hat festgestellt, dass immer weniger Menschen zu einem Interview bereit sind, auch Anhänger der Regierung, die ausländische Journalisten mit wachsendem Argwohn betrachten. Die Ansicht, dass Korrespondenten eine versteckte Anti-Türkei-Agenda vertreten, ist weit verbreitet. Auf sozialen Medien ist die Reaktion oft weniger subtil: "Spion" oder "Terrorunterstützer" werden Journalisten dort genannt.

Die Korrespondentin erzählt, dass Unterstützer Erdoğans ihr aufgrund ihrer kurdisch-türkischen Wurzeln Landesverrat oder eine unpatriotische Haltung vorwerfen. Kürzlich teilte sie eine Reportage eines TV-Senders über asylsuchende türkische Nato-Soldaten. Sofort reagierten nationalistische User: "Du hasst dein Land," schrieb einer.

"Ich war schockiert, das zu hören," sagt sie. "Diese Leute verstehen nicht — du musst dieses Land lieben, um von hier zu berichten."