Die südkoreanische Staatsanwaltschaft hat laut Medienberichten einen Haftbefehl gegen die entmachtete Präsidentin Park Geun Hye beantragt. Es bestehe die Gefahr, dass Beweismaterial vernichtet werde, hieß es laut der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap in einer Erklärung der Ermittler zur Begründung des Antrags.

Die Ex-Präsidentin ist in einen Korruptionsfall verwickelt und wurde deshalb vom Verfassungsgericht des Landes ihres Amtes enthoben. Sie soll einer langjährigen Freundin geholfen haben, Unternehmen zu erpressen und Einfluss auf die Regierung zunehmen. Park hatte dies stets bestritten. Vergangene Woche war die Ex-Staatschefin erstmals von der Staatsanwaltschaft zu den Vorwürfen befragt worden.

Der Skandal um Parks Vertraute Choi Soon Sil hat das Land monatelang beschäftigt. Im Dezember hatte das Parlament ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet. Park war am 10. März endgültig abgesetzt worden. Damit verlor sie auch ihre Immunität.

Neuwahlen bis Anfang Mai

Die inzwischen inhaftierte Choi soll ihre Beziehungen zu Park genutzt haben, um Millionenspenden für Stiftungen einzutreiben und sich dabei persönlich zu bereichern. Aus Sicht der Verfassungsrichter hatte Park ihrer Freundin die Einmischung in die Regierungsgeschäfte erlaubt und ihre Macht zugunsten von Chois Interessen missbraucht. In den vergangenen Wochen hatten Hunderttausende die Absetzung der Präsidentin gefordert.

Bis Anfang Mai müssen die Südkoreaner nun einen Nachfolger Parks wählen. Meinungsumfragen sprechen dem Liberalen Moon Jae In die größten Chancen zu, Parks Nachfolger zu werden. Er hatte die letzte Wahl 2012 gegen Park verloren.

Geun Hye, Tochter des Militärdiktators Park Chung Hee, trat im Februar 2013 als erste Frau ihres Landes das höchste Staatsamt an. Ein Putsch hatte ihren Vater 1961 an die Macht gebracht. 1979 wurde er von seinem Geheimdienstchef erschossen.