Merkel zeigte in ihrer Rede im Kanzleramt Zustimmung für dieses Vorhaben. Noch vor Juni soll ein deutsch-französischer Ministerrat gegründet werden, in dem binationale Projekte gemeinsam erarbeitet werden. Es ist eine einsame, vage Zusage in einem Meer von Zweifeln, die Macrons Pläne hierzulande hervorrufen.

In den Reden von Politikern, in Interviews mit Ökonomen und in Leitartikeln geisterte etwa die Falschmeldung herum, Macron fordere Eurobonds. Wolfgang Schäuble nannte Macrons Vorhaben in der FAZ "unrealistisch". Der Spiegel titelt: "Teurer Freund – Macron rettet Europa und Deutschland soll zahlen".

Noch bevor überhaupt irgendwas besprochen oder gar beschlossen ist, schmeißt man in Deutschland die ersten rhetorischen Brandsätze. Zugeständnisse von deutscher Seite? Null. Bereitschaft zu verhandeln? Von CDU und CSU ist dazu mit Ausnahme des heutigen Besuchs nur eines zu vernehmem: Stille.

"Allem Anfang wohnt ein Zauber inne"

Denn auch in Deutschland hat der Wahlkampf begonnen. Die Kanzlerin kann mit Europa-Themen eigentlich nur verlieren. Eingeklemmt zwischen der AfD von rechts, die bereitsteht, sollte die Union sich zu EU-integrationistisch geben und der SPD von links, die mit Martin Schulz den deutlich glaubwürdigeren Pro-Europa-Kandidaten stellt.

Der denkbar schlechteste Ausgang dieser Konstellation ist, dass sich Merkel als die Austeritätskanzlerin profiliert. Dann stünden sich die Regierungschefs der wichtigsten EU-Länder unvereinbar gegenüber – ganz gleich, ob sie dieselben Ziele haben oder nicht. Und trotz der vielfachen ideologischen und programmatischen Überschneidungen.

Am Ende zitierte Merkel noch Hermann Hesse: "Allem Anfang wohnt ein Zauber inne." Das Interesse freue sie, und sie meint die Menschenmenge, die sich vor dem Kanzleramt versammelt hat, um Macrons Besuch beizuwohnen. Hesses Gedicht geht aber weiter: "Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise – mag lähmender Gewöhnung sich entraffen." Frankreich ist erstmals seit Jahrzehnten bereit dazu. Deutschland muss zeigen, dass es das verstanden hat. Und es sollte nicht zu schnell vergessen, wer die Alternative zu Macron gewesen wäre.