ZEIT ONLINE: Trotz der Wehrpflicht kann man aber auch in Österreich in den Zivildienst gehen. Begünstigt eine Berufsarmee wie in Deutschland rechte Umtriebe in der Truppe?   

Peham: Allgemein gibt es im österreichischen Bundesheer eine strukturelle Nähe zum Rechtsextremismus, zum Militärischen, Hierarchischen, zur Uniform und eine bestimmte Form der Männlichkeit, die hier kultiviert wird. Aber ich denke dennoch, dass bei einer Berufsarmee die Gefahr größer ist, dass eine Parallel- oder Schattenstruktur entsteht. Vor dem Hintergrund der Geschichte muss man alles verhindern, was die Bildung einer Struktur begünstigt, die sich gegen die liberale Demokratie richtet. Die allgemeine Wehrpflicht kann dazu beitragen.

Außerdem erfüllt die Wehrpflicht auch eine sehr wichtige Integrationsaufgabe: Ich gehe oft an Schulen und arbeite dort mit den Jugendlichen, daher weiß ich, wie stolz es viele junge Männer mit Migrationshintergrund macht, beim österreichischen Bundesheer zu dienen. Ich bewerte das nicht und billige das den Jungs durchaus zu. Da erfüllt das Militär durchaus auch eine positive Funktion.

ZEIT ONLINE: Sie haben gesagt, dass das Bundesheer in der Ausbildung schon einiges verbessert habe, aber offenbar bestehen die Probleme mit Rechtsextremismus noch immer an gewissen Ausbildungsstätten.

Perham: Das Militärgymnasium in Wiener Neustadt in Niederösterreich ist hier besonders negativ aufgefallen. Dieses Gymnasium war bis vor Kurzem eine Kaderschmiede des Rechtsextremismus und des Neonazismus. Durch personelle Veränderungen und die Trennung von rechtsextremistischen Lehrern ist es dort jetzt ruhiger geworden. Seit 2015 haben wir nichts Einschlägiges mehr gehört.

ZEIT ONLINE: Neben den Ausbildungsstätten gibt es aber auch immer wieder Probleme mit den militärischen Geheimdiensten in Österreich.

Peham: Der jüngste Skandal betrifft einen Beamten des Heeresabwehramtes, der sich an zwei rechtsextremistischen Aktionen der Identitären Bewegung in Graz beteiligte: Der Besetzung der Parteizentrale der dortigen Grünen und der Schändung von Moscheen mit Schweineköpfen. Aber wir kritisieren auch den zweiten Geheimdienst, das Heeresnachrichtenamt. Es steht parteipolitisch der ÖVP und in den letzten Jahren vermehrt auch der FPÖ nahe. Gleichzeitig wissen wir aber auch von Aktivitäten der militärischen Geheimdienste gegen Rechtsextremismus.

ZEIT ONLINE: Wieso zögern solche Behörden, rechte Umtriebe konsequent zu bekämpfen?  

Peham: Ich vermute, dass das mit dem Korpsgeist und einer gewissen Bunkermentalität zu tun hat, die es schwer macht, Verfehlungen zu ahnden. Sie fußt auf dem Glauben, dass man einer feindlichen Welt von Zivilisten gegenübersteht. Deswegen wäre es wichtig, die Sensibilisierungsarbeit zu verstärken.

Wir hören immer wieder von Disziplinarverfahren, aber wir erfahren fast nie, wie sie ausgehen. Durch mehr Transparenz im Heer ließe sich der Verdacht, dass da vieles im Sand verläuft, leicht ausräumen. Den habe ich als gelernter Österreicher nämlich. 

ZEIT ONLINE: Was müsste Ihrer Meinung nach passieren, damit man den Rechtsextremismus innerhalb des Bundesheeres tatsächlich in den Griff bekommt?

Peham: Es könnte schon helfen, wenn der Verteidigungsminister nicht aus dem Militär- oder Polizeiapparat kommt. Das war zuletzt 2008 der Fall. Der Korpsgeist muss aufgebrochen werden. Ich weiß, gerade bei den militärischen Geheimdiensten ist das eine illusionäre Hoffnung, aber man muss transparenter agieren, insbesondere was die Vorfälle im Inneren betrifft. 

Erste Schritte sind bereits gemacht: Das Bundesheer geht nicht mehr zum Ulrichsberg, sondern zur Befreiungsfeier in Mauthausen, wo es auch eine Angelobung – die Vereidigung also – im ehemaligen Konzentrationslager gegeben hat. Das ist zwar alles symbolisch, aber es hat eben auch viel mit Symbolik zu tun, wenn der Staat und seine obersten Repräsentanten mit diesen deutschnationalen Traditionen brechen. Dann wird sich auch im Apparat etwas ändern, langsam, aber sicher.