Wie schwankt die Stimmung?

So entwickelte sich das Grundgefühl der LeserInnen in den 24 Stunden seit Öffnung der Wahllokale am Sonntag um 8 Uhr:

Welche Stimmung überwiegt?

Mit diesen Wörtern beschrieben die LeserInnen ihre Gefühlslage in den 24 Stunden seit Öffnung der Wahllokale am Sonntag um 8 Uhr:

Wie nehmen die Leserinnen und Leser von ZEIT ONLINE den Ausgang der Bundestagswahl auf? Folgt man den Abstimmungsergebnissen bei Wie geht es uns, dann war die Stimmung am frühen Wahlabend auf einem bisher nicht dagewesenen Tiefpunkt. Gegen 18.30 Uhr, die ersten Hochrechnungen machten die Runde, gab es praktisch keine Nutzer mehr, die ihre Stimmung als positiv beschrieben. Die Stimmung hellte sich im weiteren Verlauf etwas auf, blieb aber signifikant schlechter als an vergleichbaren Abenden.

Seit März dieses Jahres messen wir täglich die Stimmung unter unseren Leserinnen und Leser. Bisher sagen uns verlässlich jeden Tag etwa 70 Prozent, dass es ihnen gut geht. Die Stimmung schwankt etwas im Tagesverlauf, nachts ist sie schlechter, tagsüber besser. Auch Wochentage zeigen typische Muster. Montags ist die Laune schlechter und wird immer besser, je näher das Wochenende rückt. Doch praktisch nie überwiegen die negativen Schwingungen.

An diesem Wahlsonntag hat sich das schlagartig geändert.

Dass das Wahlergebnis vielen Leserinnen und Lesern von ZEIT ONLINE zu schaffen macht, signalisieren auch die Adjektive, die sie verwenden, um ihre Stimmung präziser zu beschreiben. Worte wie "afdgenervt", "afdgeschockt", "angsterfüllt", "fassungslos" trenden am Wahlabend.

Vor 18 Uhr ist das Bild differenzierter. Auch positive Stimmungen rund um die Wahl sind messbar: Viele Leserinnen und Leser beschreiben da ihre Stimmung noch als "bundestagswahlaufgeregt", "wahlfreudig" "demokratisch" und "aufgeregt". Mit Bekanntgabe der ersten Prognose, die massive Gewinne für die rechtspopulistische AfD sieht, reißt die positive Stimmung ab.

Dass die Stimmungswerte am Wahlabend so extrem ins Negative zeigen, ist auch aus wissenschaftlicher Sicht bemerkenswert. Denn eigentlich streben Menschen nach positiven Emotionen, erläuterte kürzlich der Psychologe Michael Boiger: "Extreme Emotionen können anstrengend sein, sie kosten Energie. Ein leicht im Positiven eingependelter Emotionshaushalt ist auf Dauer für den Menschen und seine Umgebung am unproblematischsten." Doch an diesem Sonntagabend ist das vielen unserer Leserinnen und Leser offensichtlich egal. Positiv muss warten.