In eineinhalb Wochen scheidet Wolfgang Schäuble als Finanzminister aus dem Amt. Nun hat er seinen letzten internationalen Auftritt genutzt, um vor Protektionismus zu warnen.

Das langsame Wachstum des globalen Handels und die zunehmende "Rhetorik gegen den freien Handel" seien Anlass zur Besorgnis, sagte Schäuble bei der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Washington. Dies seien "Bedrohungen für unser gemeinsames wirtschaftliches Wohlergehen".

Auch wenn er keine Namen nannte, bezog sich Schäuble mit seinen Warnungen offensichtlich unter anderem auf den Kurs von US-Präsident Donald Trump. Unter seinem Motto "Amerika zuerst" hat Trump diverse internationale Handelsabkommen scharf kritisiert und das transpazifische Freihandelsabkommen TPP bereits aufgekündigt. Auch hat er ausländischen Unternehmen mit Strafzöllen und -steuern gedroht.

In seiner Rede vor dem IWF-Lenkungsausschuss (IMFC) betonte Schäuble, dass sich Deutschland weiterhin "dem Protektionismus in allen seinen Formen widersetzen" und sich für globale wirtschaftliche und finanzielle Kooperation engagieren werde. Protektionistische Maßnahmen würden nur dem Wachstum schaden sowie "jenen, die sie zu beschützen behaupten".

Der Welthandel habe Millionen von Menschen aus der Armut herausgeholfen und Stabilität und Wohlstand rund um den Globus geschaffen, sagte Schäuble. Er sprach aber auch die Kehrseite der Globalisierung an. Die Staaten müssten effiziente Maßnahmen zum Schutz jener Menschen treffen, die unter dem wirtschaftlichen Strukturwandel und dem verschärften internationalen Wettbewerb zu leiden hätten.

Nach acht Jahren als Bundesfinanzminister wird Schäuble in Kürze aus dem Amt scheiden. Am 24. Oktober soll er zum Bundestagspräsidenten gewählt werden.