Die Jamaika-Sondierungen sind nach vierwöchigen Verhandlungen gescheitert. FDP-Chef Christian Linder sagte am späten Sonntagabend, seine Partei ziehe sich aus den Gesprächen zurück. "Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren", sagte er. Die vier Koalitionspartner hätten "keine gemeinsame Vorstellung von der Modernisierung des Landes" und auch keine gemeinsame Vertrauensbasis entwickeln können. Die FDP sei aber für eine Trendwende gewählt worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bedauerte den Schritt. Die Union habe geglaubt, dass man gemeinsam auf einem Weg gewesen sei, bei dem man eine Einigung hätte erreichen können, sagte Merkel. CSU-Chef Horst Seehofer sagte, eine Einigung in den Gesprächen von Union, FDP und Grünen sei "zum Greifen nahe" gewesen. Auch die Grünen betonten, sie hätten eine Einigung für möglich gehalten.  

Merkel sagte, sie werde im Laufe des Tages Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier über den Stand der Dinge informieren. Die Union werde in den nächsten Wochen weiter verantwortlich handeln. Sie werde als geschäftsführende Bundeskanzlerin alles tun, dass das Land auch durch diese schwierigen Wochen gut geführt werde.

Regierungsbildung - Es gibt vor allem Verlierer Jamaika ist gescheitert: Wie handlungsfähig ist Deutschland jetzt noch, und warum ist eine Minderheitsregierung so unbeliebt? Ein Videokommentar

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner betonte, dass seine Partei trotz des Scheiterns der Jamaika-Gespräche nicht für eine große Koalition zur Verfügung stehe. Demnach bieten sich nur noch eine Minderheitsregierung der Union oder Neuwahlen an.

Grüne, CSU und CDU hätten sich die Ankündigung der FDP gemeinsam angesehen, sagte der Grünen-Politiker Jürgen Trittin."Wir standen schockiert und entsetzt vorm Bildschirm." Die Verhandler hätten ein Paket schnüren wollen, auf das man sich hätte einigen können. Die FDP habe aber offenbar schon ihre Pressemitteilung vorbereitet, warf er den Liberalen vor. Trittin sieht Deutschland in einer schwierigen Lage. "Das ist klar, dass wir in einer Situation sind, in der das Land zum ersten Mal mit einer geschäftsführenden Regierung lange Zeit wird leben müssen", sagte er. "Es sei denn, die SPD kommt aus der Politikverweigerung raus."

"Die Ausgangslage für die SPD hat sich nicht verändert. Wir haben kein Mandat für eine erneute große Koalition", sagte Parteivize Stegner. Er könne sich nicht vorstellen, dass seine Partei ihre Entscheidung überdenken könnte, in der Oppositionsrolle zu bleiben.  Stegner betonte, er sehe für Kanzlerin Merkel keine Zukunft mehr. "Sie ist definitiv gescheitert." Aber auch ohne Merkel werde die SPD keine große Koalition eingehen.

Allen Parteien stünden nun spannende Tage und Wochen bevor. Das Platzen der Jamaika-Gespräche liege in der Verantwortung aller vier beteiligten Parteien CDU, CSU, FDP und Grüne, sagte Stegner.