Auch 2017 waren zahlreiche Medienschaffende weltweit Gewalt und Repressionen ausgesetzt. Wie aus dem Jahresbericht der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) hervorgeht, wurden in diesem Jahr mindestens 65 Journalisten, Bürgerjournalisten und andere Medienmitarbeiter getötet. Allein in Syrien kamen demnach zwölf, in Mexiko elf, in Afghanistan neun und im Irak acht gewaltsam ums Leben. 

"Ein erschreckendes Zeichen"

Als bemerkenswert stufte es die Journalistenvereinigung ein, dass fast die Hälfte ihrer Kollegen außerhalb von Kriegs- oder Bürgerkriegsregionen – wie etwa Syrien oder Irak – getötet wurden. Oftmals wurden sie ermordet, weil sie über dortige Tabuthemen wie politische Korruption oder das organisierte Verbrechen berichtet hatten. Dies gilt etwa in vielen Fällen in Mexiko oder auf den Philippinen.

"Gerade dass so viele Journalisten außerhalb von Kriegsregionen ermordet werden, ist ein erschreckendes Zeichen", sagte ROG-Vorstandssprecherin Katja Gloger. "In viel zu vielen Ländern können die Täter und ihre Auftraggeber damit rechnen, dass sie mit Gewalt gegen Medienschaffende ungeschoren davonkommen."

Von den Getöteten seien 39 gezielt wegen ihrer journalistischen Tätigkeit ermordet worden, hieß es weiter. Die übrigen 26 starben im Einsatz, weil sie etwa unter Beschuss oder in Bombenangriffe gerieten. Unter den Toten waren 50 professionelle Journalisten, sieben Bürgerjournalisten und acht sonstige Medienmitarbeiter. Die fünf gefährlichsten Länder waren Syrien, Mexiko, Afghanistan, der Irak und die Philippinen.

China nimmt den Tod von Inhaftierten in Kauf

Laut der ROG-Jahresbilanz sitzen zudem mehr als 300 Medienschaffende derzeit in Haft, davon knapp die Hälfte allein in fünf Ländern: in der Türkei, in China, Syrien und Iran sowie in Vietnam. In dem südostasiatischen Land wurden in den vergangenen Monaten mindestens 25 Blogger verhaftet oder des Landes verwiesen. Zuvor hatte die Regierung ihr Vorgehen gegen Journalisten verschärft. 

Im Fall der inhaftierten Journalisten steht vor allem die Türkei im Zentrum des Berichts. Seit dem Putschversuch im Sommer 2016 seien dort Journalisten "systematisch über längere Zeiträume in Untersuchungshaft". Viele der Verhafteten sitzen inzwischen seit mittlerweile anderthalb Jahren im Gefängnis. In China wiederum verweigert das Regime inhaftierten Kritikern vorsätzlich eine angemessene Gesundheitsversorgung und nimmt deren Tod in Kauf, kritisiert der Jahresbericht.

Reporter ohne Grenzen berichtet auch von 54 Berichterstattern, die Opfer von Entführungen wurden, vor allem in den arabischen Konfliktregionen. Allein in Syrien befinden sich 22 einheimische und sieben ausländische Medienschaffende in der Gewalt bewaffneter Gruppen, einige davon seit mehr als fünf Jahren.