Geht es nach Donald Trump, dann befindet sich sein Land auf dem richtigen Weg. "Die Welt hat die Nachricht empfangen: Amerika ist zurück", sagte der Präsident am Montag. Eigentlich hatte er in Washington vor allem die Sicherheitsstrategie seiner Regierung vorstellen wollen. Doch Trump nutzte die Gelegenheit erst einmal für eine ausführliche Auflistung der eigenen Erfolge – oder zumindest das, was er dafür hält: Zwei Millionen Jobs habe Amerika seit Januar geschaffen, erdrückende Deregulierungen abgeschafft und die Steuerbelastung werde schon bald massiv reduziert. "Unfaire" internationale Verträge seien gekündigt worden und der Aktienmarkt feiere Rekorde.

Anders als seine Amtsvorgänger präsentierte Trump das Papier, das vom Kongress vorgeschrieben ist und das die Richtlinien der US-Sicherheitspolitik festlegt, persönlich. Es wurde eine letzte große Zwischenbilanz vor den Weihnachtstagen – und eine Grundsatzkritik am angeblich schwachen Kurs seines Vorgängers. Die Bürger hätten in den vergangenen Jahren das Selbstvertrauen verloren und den Preis für die Großzügigkeit der USA gegenüber anderen Ländern und internationalen Akteuren zahlen müssen, während ihre Regierung Gefahren wie Nordkorea, die IS-Terrormiliz und den Iran übersehen habe. Vor einem Jahr aber hätten die US-Bürger die Macht wieder an sich gerissen. Seitdem sei der Druck auf Nordkorea "maximiert" worden, die Mitgliedsbeiträge der Nato würden "fließen" und die Terroristen würden "gejagt, wo immer sie hinfliehen". 

Vieles in der Rede erinnerte an die alten Wahlkampfauftritte Trumps, in denen er vor internationalen Handelsabkommen warnte. Mit dieser Rhetorik zog er die Wähler aus Detroit oder Ohio auf seine Seite, die unter der Globalisierung besonders gelitten haben. Schon damals nutzte er die Angst vor dem islamistischen Terror, um die demokratische Strategie der Inklusion auszubremsen.

Seine Vorgänger hätten vergessen, "wen sie respektieren müssen und wessen Interesse sie vertreten", so der Präsident. Es ist ein simples Weltbild, das Trump vertritt. Darin sind Gewinn und Verlust genauso klar verteilt wie Gut und Böse, Stärke und Machtdemonstration ersetzen darin die Diplomatie.

Seit den hitzigen ersten Wahlkampfauftritten hat sich daran nur wenig geändert. Trump sagt, die USA befänden sich in einer "neuen Ära des Wettbewerbs". Der Kampf um wirtschaftlichen Erfolg und begrenzte Ressourcen – der auf der Erde ebenso stattfinde wie im All – rechtfertige Milliardeninvestitionen für das Militär zulasten wichtiger Sozialprogramme, den umstrittenen Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko – ein Kernversprechen, das den Präsidenten nicht loslässt – und einen harten Kurs gegenüber Einwanderern, nicht nur aus muslimischen Ländern. Eine Nation ohne Grenzen, machte der Präsident in seiner Rede klar, "ist keine Nation".

Kritiker urteilten, das Strategiepapier diene vor allem dazu, der zum Teil verwirrenden und widersprüchlichen Außenpolitik des Präsidenten, die immer wieder geprägt sei von spontanen Tweets und einer vereinfachten Aufteilung der Welt, den nötigen intellektuellen Unterbau zu verpassen.

Überraschend deutlich beschreibt das Dokument China und Russland als revisionistische Mächte, die darauf hinarbeiteten, ihre eigenen Volkswirtschaften und die anderer Staaten weniger frei und weniger fair zu machen. Sie bauten ihr Militär aus und kontrollierten den Fluss von Informationen und Daten, um die eigene Gesellschaft zu unterdrücken und ihren Einfluss auszubauen.