Immer mehr abgelehnte Asylbewerberinnen und Asylbewerber wehren sich einem Bericht zufolge gegen ihre Abschiebung. Im vergangenen Jahr wurden fast doppelt so viele Abschiebungen per Flugzeug in letzter Minute abgebrochen wie 2016, berichtet die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken. Laut Bundesinnenministerium scheiterten 2017 demnach 981 Abschiebungen – im Vorjahr waren es noch 502.

In 525 der Fälle aus dem vergangenen Jahr wurde die Abschiebung laut Innenministerium aufgrund von Widerstandshandlungen gestoppt. Das bedeute im Vergleich zu 2016 eine Verdoppelung, berichtet die NOZ. In 111 Fällen meldeten sich die Asylbewerber krank (plus 50 Prozent). Bei 314 Fällen weigerten sich Piloten und Pilotinnen oder die Flugzeugbesatzung, die Menschen zu transportieren (plus 126 Prozent). In 31 Fällen verweigerten die Herkunftsländer die Aufnahme.

Der Zuwachs ist bemerkenswert, weil die Zahl der Abschiebungen 2017 insgesamt gesunken ist. Im Gesamtjahr wurden 23.966 abgelehnte Asylbewerber in ihre Heimatländer zurückgebracht, das waren 5,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Bundesregierung erklärt dies mit einem Sondereffekt, wonach 2016 besonders viele Migrantinnen und Migranten in die Balkanstaaten zurückgebracht wurden.

2017 sind auch deutlich weniger Asylbewerberinnen mithilfe einer Förderung freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums reisten 29.587 Menschen über das Bund-Länder-Förderprogramm REAG/GARP aus. Das war ein Rückgang um 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, als es rund 54.000 Menschen waren. Für den Staat ist es günstiger, eine freiwillige Ausreise finanziell zu unterstützen, als eine Abschiebung durchzusetzen.