In Nigeria werden knapp eine Woche nach dem Überfall der radikalislamischen Miliz Boko Haram auf eine Schule noch 110 Mädchen vermisst. Dies teilte Informationsminister Lai Mohammed mit, nachdem Eltern der vermissten Kinder bereits vor Tagen eine Liste mit den Namen von vermissten Mädchen vorgelegt hatten. Zugleich kündigte die nigerianische Luftwaffe an, zusätzliche Einheiten in den Nordosten zu entsenden und intensiv nach den Mädchen zu suchen.

Am vergangenen Montag hatten die islamistischen Extremistinnen und Extremisten eine Schule im Dorf Dapchi im Nordosten des Landes überfallen und zahlreiche Mädchen entführt. Augenzeuginnen und Augenzeugen zufolge sollen die Milizionäre zuvor explizit nach dem Ort der Schule der Mädchen gefragt haben. Die Regierung hatte diese Darstellung zunächst zurückgewiesen und kurz darauf bekannt gegeben, dass die Armee 76 Schülerinnen das Leben gerettet hat. Soldaten hätten die Leichen von zwei Mädchen entdeckt.

Einen ähnlichen Fall hatte es bereits 2014 gegeben, als Boko Haram aus einer Schule in Chibok 276 Mädchen entführt hatte. Der Fall sorgte weltweit für Entsetzen und Empörung. Seitdem konnten 164 der Mädchen fliehen oder wurden freigelassen. 112 der Schülerinnen sind bis heute noch nicht zu ihren Familien zurückgekehrt.

Die islamistische Miliz kämpft seit dem Jahr 2009 gewaltsam für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats im mehrheitlich muslimischen Nordosten Nigerias. In dem Konflikt wurden bisher mindestens 20.000 Menschen getötet und 2,6 Millionen in die Flucht getrieben. Immer wieder verüben die Extremisten Anschläge und Überfälle auf Dörfer, Kirchen, Schulen, Sicherheitskräfte, Politiker und Behördenvertreterinnen.