Knapp zwei Monate nach seiner umstrittenen Begnadigung muss sich Perus Ex-Präsident Alberto Fujimori erneut vor Gericht verantworten. Der Nationale Strafgerichtshof in Lima ordnete einen neuen Prozess wegen eines Massakers an sechs Bauern im Jahr 1992 an. Der 79-jährige Fujimori war 2009 wegen Menschenrechtsverbrechen während seiner Amtszeit zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Nach seiner Begnadigung durch Präsident Pedro Pablo Kuczynski an Heiligabend kam er Anfang des Jahres frei.

Wie der Nationale Strafgerichtshof via Twitter mitteilte, bezieht sich der Gnadenerlass nur auf die Menschenrechtsverbrechen, für die Fujimori verurteilt wurde, nicht aber auf den Fall von 1992. Die Staatsanwaltschaft hatte beantragt, dem Ex-Präsidenten und 22 weiteren Verdächtigen wegen der Tötung der Bauern durch Todesschwadronen den Prozess zu machen.

Bei den anderen Beschuldigten handelt es sich um ehemalige Paramilitärs und Armeeangehörige. Bei einer Großoffensive gegen die Guerillagruppe Leuchtender Pfad hatte die vor allem aus Militärs bestehende Colina-Gruppe am 29. Januar 1992 sechs Bewohner des Dorfes Pativilca im Norden Perus entführt und ermordet. Verantwortlich waren Todesschwadronen, die die Regierung gegen linksextreme Guerillagruppen einsetzte.

Die Staatsanwaltschaft fordert in diesem Fall 25 Jahre Haft für Fujimori wegen Entführung, Mordes und Bildung einer kriminellen Vereinigung.

Fujimori hatte Peru von 1990 bis 2000 autoritär regiert. 2009 wurde er der Bestechung, des mehrfachen Mordes, des Einsatzes von Todesschwadronen und anderer schwerer Menschenrechtsverbrechen für schuldig befunden und zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt.

Die Begnadigung von Fujimori hatte in dem südamerikanischen Land heftige Proteste und eine politische Krise ausgelöst. Kritiker vermuteten einen Deal mit Fujimoris Sohn Kenji und weiteren Abgeordneten aus dem Fujimori-Lager, die drei Tage vor dem Gnadenerlass nicht für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Kuczynski gestimmt hatten.

Das Amtsenthebungsverfahren gegen Kuczynski wegen Korruptionsvorwürfen war von Fujimoris Tochter Keiko angestoßen worden, die die Präsidentschaftswahl 2016 nur knapp gegen ihn verloren hatte.