Weniger als zwei Stunden vor dem geplanten Termin hat Nordkorea ein Geheimtreffen der Schwester des Machthabers Kim Jong Un mit US-Vizepräsident Mike Pence abgesagt. Das berichtete die Washington Post. Eine Sprecherin des US-Außenministeriums bestätigte diesen Bericht auf Twitter und bedauerte, dass die Nordkoreaner die Gelegenheit nicht ergriffen hätten.

Demnach wollten sich die Spitzenpolitiker am Tag nach der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Seoul in Südkorea treffen. Die Initiative dafür sei von südkoreanischer Seite ausgegangen, die USA hätten dem Treffen noch vor der Abreise von Pence am 5. Februar zugestimmt. Details seien erst nach seiner Ankunft ausgearbeitet worden. 

Nach Darstellung von Pences Büro und Vertretern des Weißen Hauses wollte Pence in dem Gespräch keine Verhandlungen aufnehmen, sondern den Nordkoreanern persönlich die harte Haltung der USA übermitteln, schrieb die Washington Post weiter. Nach Ansicht von US-Präsident Donald Trump sollte ihnen klargemacht werden, dass die US-Seite meine, was sie öffentlich sage. Pence habe bei dem Treffen die Notwendigkeit betonen wollen, dass Nordkorea sein Atomwaffen- und Raketenprogramm aufgebe.

Bei der Absage hätten die Nordkoreaner ihren Unmut darüber geäußert, dass Pence vorher neue Sanktionen angekündigt und sich bei seinem Besuch in Südkorea auch mit nordkoreanischen Überläufern getroffen hatte. Kim Yo Jong gilt als enge Beraterin ihres Bruders; auch das protokollarische nordkoreanische Staatsoberhaupt Kim Jong Nam hätte an dem Treffen teilnehmen sollen. Am Morgen habe die nordkoreanische Seite die Pläne noch bestätigt.

Bislang war der US-Vizepräsident der Kim-Schwester und der nordkoreanischen Olympiadelegation aus dem Weg gegangen oder hatte sie ignoriert. Bei der Eröffnungszeremonie am Vorabend hatten die beiden Nordkoreaner direkt hinter ihm gesessen.

Bei dem Besuch der bisher ranghöchsten Delegation aus Nordkorea hatte die Kim-Schwester auch eine Einladung an Südkoreas Präsident Moon Jae In nach Pjöngjang übergeben. Nach eigenen Angaben will Moon jedoch warten, bis Nordkorea auch mit den USA ins Gespräch kommt. Washington hat sich wiederholt offen für Gespräche gezeigt, fordert aber als Ziel eine Beseitigung des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms, worauf Machthaber Kim Jong Un nicht eingehen will.

Nach seiner überraschenden Annäherungspolitik gegenüber Südkorea zum Anlass der Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang fürchten Beobachtende, dass die Spannungen wieder zunehmen könnten, wenn die Winterspiele am Sonntag und die anschließenden Paralympischen Spiele am 18. März enden. Dann wollen die USA und Südkorea auch wieder Militärmanöver aufnehmen, die wegen Olympia verschoben worden waren.