Der ehemalige katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont bleibt vorerst in Deutschland in Gewahrsam. Wie der Leitende Oberstaatsanwalt Georg-Friedrich Güntge mitteilte, hat das zuständige Amtsgericht Neumünster eine sogenannte Festhalteanordnung ausgesprochen. Das bedeute noch nicht, dass Puigdemont ausgeliefert werde, sagte Güntge. "Wir befinden uns jetzt erst im richtigen Auslieferungsverfahren. Jetzt wird geprüft, ob die Auslieferung zulässig ist."

Die deutsche Polizei hatte Puigdemont am Sonntag nach der Einreise aus Dänemark an der Autobahn A 7 festgenommen und in die Justizvollzugsanstalt Neumünster gebracht. Der 55-Jährige war auf dem Weg von Finnland nach Belgien, wo er im Exil lebt. Grundlage für die Festnahme war ein europäischer Haftbefehl, den Spanien ausgestellt hatte. Puigdemont hat im Oktober die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien ausgerufen und damit gegen die spanische Verfassung verstoßen. Daraufhin leitete die spanische Justiz Ermittlungen wegen Rebellion ein.

Das Amtsgericht Neumünster begründete seine Entscheidung am Abend mit Fluchtgefahr. Puigdemont wohne in Belgien und es könne für ihn einen "erheblichen Anreiz" geben, dorthin zurückzukehren. Bis zu einer Entscheidung im Auslieferungsverfahren an Spanien sei der Politiker deshalb zunächst weiterhin festzuhalten.

Bei dem Termin am Montag in Neumünster wurde formal geprüft, ob der Festgenommene tatsächlich der im Haftbefehl gesuchte Puigdemont ist. Da dies der Fall ist, ist Puigdemont bis zur Entscheidung des Oberlandesgerichts (OLG) bezüglich des Auslieferungshaftbefehls festzuhalten. Diese Entscheidung werde voraussichtlich aber nicht mehr in dieser Woche getroffen, sagte eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft.

Das OLG entscheidet in der Regel ohne mündliche Anhörung. Falls die Behörden einer Auslieferung zustimmen, hat Puigdemont noch die Möglichkeit, in Karlsruhe Verfassungsbeschwerde einzulegen, um eine Auslieferung zu verhindern.

Hintergrund ist die seit Langem bestehende Bestrebung Kataloniens, sich von Spanien abzuspalten. Am 1. Oktober 2017 hat es dazu ein hochumstrittenes Unabhängigkeitsreferendum gegeben, in dem 90 Prozent der Ausrufung einer Republik Katalonien zustimmten. Anschließend hat Puigdemont die Unabhängigkeit der spanischen Region erklärt – die spanische Regierung erklärte das Referendum für illegal und setzte Puigdemont als Regionalpräsident ab. Er floh daraufhin nach Brüssel, um der spanischen Justiz zu entkommen. Nach Puigdemonts Festnahme haben am Sonntagabend rund 50.000 Menschen in Barcelona protestiert.