Es muss wohl irgendwann im Februar dieses Jahres gewesen sein, als Christian Blex entschied, jetzt auch Außenpolitik zu machen. Blex ist eigentlich Gymnasiallehrer für Mathe und Physik. Seit vergangenem Jahr sitzt er für die AfD im Landtag von Nordrhein-Westfalen. Es passte zumindest thematisch zu seinen Unterrichtsfächern, dass er in der Partei als Energiepolitiker galt. Blex bezweifelt, dass der Klimawandel überhaupt vom Menschen beeinflusst wird, von Umweltschutz hält er auch nichts. Aber das Thema reichte ihm offenbar nicht. 

Als Teilnehmer einer AfD-Delegation reiste Blex vom 3. bis zum 9. Februar über Moskau auf die von Russland besetzte Krim. Jetzt, nicht mal vier Wochen später, ist er schon wieder unterwegs. Am Montag dieser Woche ließ er eine Mitteilung an den Präsidenten seines Landtags schicken: "Unter Leitung von Dr. Christian Blex, MdL NRW, werden Abgeordnete des Deutschen Bundestages und des Landtages NRW ab dem 5. März Syrien privat besuchen", hieß es darin. Schon am Abend stand Blex in Damaskus. Zusammen mit sechs anderen AfD-Politikern war er über den libanesischen Grenzübergang Masnaa in Syrien eingereist und von dort weiter in die Hauptstadt gefahren. 

Was nun für Blex zum Problem werden könnte: So privat, wie er sie dem Landtagspräsidenten angekündigt hatte, ist diese aufsehenerregende Reise nicht. Das belegen unter anderem Medienberichte und die Fotos und Informationen, die Blex selbst von seiner Reise veröffentlicht: Blex in Damaskus neben einem Minister des Machthabers Baschar Al-Assad, Blex mit dem Großmufti. Das sieht nach einer sehr politischen Reise aus.

Die Fotos aus Syrien postet Blex über seinen Twitter-Account, den er vor der Reise gar nicht genutzt hatte. In seinem Profil, also einer Art Absendererkennung, weist er sich als "Abgeordneter der #AfD #NRW im #ltnrw" aus.

Mit seinem Verhalten könnte Blex gegen eine Ansage seines Landtagspräsidenten André Kuper verstoßen. Denn der hatte noch am Tag der Abreise Blex ein Schreiben zustellen lassen und darin verlangt, "jeden Anschein zu unterlassen, sich für einen Ausschuss, den Landtag oder das Land Nordrhein-Westfalen zu äußern". Das Schreiben liegt ZEIT ONLINE vor. Laut Abgeordnetengesetz ist es Blex zwar erlaubt, sich als Mitglied des Landtags vorzustellen, allerdings mahnte Kuper weiter, dass "die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland keine Angelegenheit von einzelnen Mitgliedern des Landtags Nordrhein-Westfalen ist". Anders ausgedrückt: Christian Blex ist nicht auf einer Dienstreise in Syrien, und er darf auch nicht diesen Anschein erwecken.

In der Realität geschieht das aber. Da Blex als Abgeordneter auftritt, wird er auch wie ein Staatsgast wahrgenommen. Vor allem russische Medien, die international senden, nutzen seine Reise, um den vom Kreml gestützten Assad zu legitimieren. Der in Deutschland vollkommen unbekannte Politiker Blex wird in zahlreichen Artikeln als Quelle für eine vermeintlich gewichtige politische Haltung in Deutschland genannt. So schreibt beispielsweise das vom Kreml beeinflusste Portal RT: "Syrische Flüchtlinge können nach Hause kommen. Quelle: Der deutsche Abgeordnete Christian Blex, der den Großmufti Ahmed Hassun in Syrien traf." Auch viele deutsche und andere internationale Medien berichteten über Blexs Reisen auf die Krim und nach Nahost als Abgeordneter.