Die Bundesregierung beschäftigt nach eigenen Angaben derzeit etwa 7.900 Mitarbeiter mit befristeten Arbeitsverträgen, ohne einen konkreten Sachgrund für die Befristung zu nennen. Damit nutze die Regierung das umstrittene Instrument der sachgrundlosen Befristung bei mehr als der Hälfte aller ihrer Befristungen, berichtet die Rheinische Post unter Berufung auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Frage des FDP-Abgeordneten Otto Fricke. Allein im Bundesinnenministerium hätten Ende Januar 4.541 von 5.595 befristet beschäftigten Mitarbeitern eine sachgrundlose Befristung gehabt.

Laut Koalitionsvertrag von Union und SPD sollen in Betrieben mit mehr als 75 Beschäftigten nur noch höchstens 2,5 Prozent der Mitarbeiter ohne Sachgrund befristet beschäftigt werden können. Bei der Bundesregierung ist der Anteil aber deutlich höher, wie die Antwort auf die FDP-Anfrage zeigt. Die Eindämmung der sachgrundlosen Befristung war eines der großen Streitthemen bei den Koalitionsverhandlungen. Die SPD hatte zunächst eine vollständige Abschaffung gefordert, hatte sich aber dann mit der Union auf den Kompromiss der Höchstgrenze geeinigt.

Die Zahl befristeter Verträge hat in den vergangenen 20 Jahren deutlich zugenommen. Insgesamt sind rund 4,8 Millionen Arbeitnehmer befristet angestellt – also jeder achte Beschäftigte. Allerdings zählen dazu auch 1,3 Millionen Auszubildende, deren Verträge immer befristet sind. 

Die Befristung eines Arbeitsvertrages ohne "sachlichen Grund" ist derzeit für eine Dauer von zwei Jahren zulässig. Innerhalb dieses Zeitraums kann ein befristeter Arbeitsvertrag höchstens dreimal verlängert werden. Nur in Tarifverträgen können Ausnahmen festgelegt werden.

Wenn es "sachliche Gründe" gibt, ist eine Befristung zulässig. Zu solchen Gründen zählen unter anderem eine Befristung im Anschluss an Ausbildung oder Studium, Vertretungsregelungen oder ein nur vorübergehender betrieblicher Bedarf.