Das Rettungsschiff "Lifeline" ist nach fast einer Woche des Wartens in den Hafen von Valletta auf Malta eingelaufen. Das Schiff der deutschen Rettungsorganisation Mission Lifeline war mit 234 Flüchtlingen an Bord sechs Tage lang durchs Mittelmeer gekreuzt, während es auf eine Genehmigung wartete, in einen europäischen Hafen einzulaufen. Nun werde das Schiff aber beschlagnahmt, sagte Maltas Ministerpräsident Joseph Muscat: "Dieses Schiff war staatenlos, es wird festgesetzt." Außerdem werde gegen die Besatzung der deutschen Hilfsorganisation ermittelt, so Muscat.

Die Passagiere – Migranten und Flüchtlinge, die vor knapp einer Woche vor der Mittelmeerküste Libyens gerettet wurden – sollen nun auf acht EU-Staaten verteilt werden. Dabei handelt es sich um Frankreich, Italien, Luxemburg, Portugal, Irland, die Niederlande, Belgien und Malta. In Deutschland hatten sich lediglich die Regierungen mehrerer Bundesländer bereit erklärt, einige der Migranten aufzunehmen.

Seehofer gegen Aufnahme von "Lifeline"-Migranten

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sprach sich im Bundestag gegen eine Aufnahme aus – er sehe "momentan keine Handlungsnotwendigkeit". Zudem forderte er laut der Linken-Abgeordneten Petra Pau im Innenausschuss, das Schiff zu beschlagnahmen und die Besatzung strafrechtlich zu verfolgen. Darauf reagierte die Rettungsorganisation mit einem offenen Brief an den Innenminister.

In dem Brief schildern die Vertreter der Organisation die Notlage der geretteten libyschen Flüchtlinge. Sie empören sich über die Vorwürfe gegen sie und die Forderung, dass sie für die Rettungsaktion strafrechtlich verfolgt werden müssten. "Sie reden von einem 'Shuttle nach Europa', wo Menschen aus Seenot gerettet werden. Wie würden Sie sich fühlen, wenn ihre Familienangehörigen in Gefahr wären oder sterben? Wäre es nicht eine Schande?", heißt es in dem Brief. Im Anschluss lädt die Organisation Seehofer auf eine ihrer Seenotrettungsmissionen ein. "Wir laden Sie ein, sich anzuschauen, wie verzweifelt die Menschen sind, die wir retten, und wie sich die Leere anfühlt, wenn Menschen sterben, weil niemand mehr helfen kann", schreibt die Organisation. Sie erklärte sich bereit, vor Gericht auszusagen; ihr könne keine Straftat vorgeworfen werden.

Grüne kritisieren "Trauerspiel" der Bundesregierung

Auch die Grünen kritisierten die ablehnende Haltung der Bundesregierung zur Aufnahme der Geretteten von der "Lifeline". "Wir bedanken uns bei den sieben aufnehmenden EU-Staaten dafür, dass sie für die Sicherheit der Menschen an Bord der 'Lifeline' sorgen und somit auch für die 17 deutschen Crewmitglieder", teilten Luise Amtsberg, Sprecherin für Flüchtlingspolitik, und Manuel Sarrazin, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss, mit. "Das Verhalten der Bundesregierung im Umgang mit der 'Lifeline' war und ist ein unwürdiges Trauerspiel."