Die Welt spielt Fußball und blickt auf Russland. Wir widmen diesem großen, vielfältigen, komplizierten und oft missverstandenen Land einen Schwerpunkt. Auch wenn Russland schwer auf einen Nenner zu bringen ist, wagen wir einen Versuch in neun Zahlen.

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132000 Millionäre lebten 2017 in Russland

Russland ist ein Land mit großer Armut, gleichzeitig leben sehr wenige Russen im absoluten Überfluss. Einer der Superreichen ist der russisch-israelische Oligarch Roman Abramowitsch. Mit zehn Milliarden Euro Vermögen zählt er zu den reichsten Menschen der Welt. In Russland haben Stahlbarone, Ölmagnaten und Bankiers die Wirtschaft fest im Griff.

Das Wirtschaftsmagazin Forbes zählte Anfang des Jahres 106 russische Milliardäre, der Schweizer Finanzdienstleister Credit Suisse identifiziert zusätzliche 132.000 Millionäre. Knapp dreißig Jahre nach dem Zerfall des Kommunismus ist die Einkommensschere in Russland so groß, dass das reichste Zehntel der Bevölkerung 77 Prozent des Vermögens aller privaten Haushalte besitzt. An der Lücke wird sich vermutlich nicht viel ändern, weil sich der Reichtum in Russland weiter bei sehr wenigen bündelt. Dagegen verdient ein russischer Durchschnittshaushalt im Jahr nur 14.260 Euro.

Immerhin: Als Wladimir Putin im Jahr 2000 seine erste Amtszeit als Präsident antrat, stufte die russische Regierung 36 Millionen Einwohner als "arm" ein. 2012 waren es nur noch 15 Millionen. Zuletzt stieg die Armutsquote aber wieder, bedingt durch Russlands Wirtschaftsprobleme. 

Quelle: Credit Suisse

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140000000000000 Euro betrug das Bruttoinlandsprodukt in Russland 2017

Russland ist 48-mal so groß wie Deutschland, schafft aber nur die Hälfte der deutschen Wirtschaftsleistung. Im Jahr 2017 betrug das Bruttoinlandsprodukt in Russland umgerechnet 1,4 Billionen Euro. In Deutschland waren es dagegen 3,2 Billionen Euro.

Zwar hat Russland nach zwei Jahren die tiefste Krise hinter sich gelassen, das Wirtschaftswachstum (1,5 Prozent) liegt aber unter den Erwartungen der russischen Ministerien. Damit rutschte Russland vergangenes Jahr auf den Stand von 2008. Das ist ein spärlicher Wert für ein Land, das eigentlich auf Augenhöhe mit entwickelten Industrieländern stehen möchte.

Die Wirtschaftssanktionen der EU waren ein Dämpfer in den vergangenen Jahren. Laut Ökonomen schadeten sie der russischen Wirtschaft allerdings nicht so nachhaltig wie der Ölpreiseinbruch 2014. Russland ist nach den USA und Saudi-Arabien der drittgrößte Erdöllieferant der Welt. 2017 produzierte Russland mehr als 11 Millionen Barrel pro Tag. Als der Ölpreis dann zeitweise auf 25 Euro pro Barrel sank, rutschte die Wirtschaft in die längste Rezession seit den frühen Neunzigerjahren.

Quelle: Deutsche Botschaft / Germany Trade and Invest / Deutsch-Russische Auslandshandelskammer

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Auf Platz 13 rangiert Moskau bei den teuersten Städten weltweit


Das Leben in Moskau ist teuer. Sogar so teuer, dass die russische Hauptstadt kürzlich auf Platz 13 der teuersten Städte weltweit gesprungen ist. Die Zwölf-Millionen-Metropole ist teurer als beispielsweise Dubai (19), London (29) und San Francisco (21). Aber auch Sankt Petersburg (35) ist noch deutlich teurer als Deutschlands teuerste Städte München (98) und Berlin (120). Die internationale Beratungsfirma Mercer vergleicht regelmäßig die Lebenshaltungskosten in jeder Stadt. Aktuell ist die teuerste Stadt der Welt die angolanische Hauptstadt Luanda.

Obwohl 73 Prozent der russischen Bevölkerung in urbanen Zentren wohnen, entwickeln sich die Einkünfte nur schwach. Insgesamt sind sie sogar rückläufig. Während die Russen 2010 im Schnitt noch 663 Euro pro Kopf im Monat verdienten, waren es 2016 nur noch 462 Euro, fast ein Drittel weniger.

Um die Preissteigerungen sorgen sich Menschen quer durchs Land am meisten. In repräsentativen Meinungsumfragen zählen zwei Drittel der Russen die Preiserhöhungen zu den größten sozialen Problemen. Die Hälfte der Bevölkerung zahlt noch mehrere Bankkredite ab. Studien belegen, dass 70 Prozent der Kunden im Supermarkt in erster Linie auf das Preisschild achten, 40 Prozent kaufen nur reduzierte Waren.

 Quelle: Mercer Consulting

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25 Jahre alt sind russische Frauen bei der ersten Hochzeit

"Ihr lebt schon lange zusammen? Dann solltet ihr heiraten"; "Ihr habt schon geheiratet? Warum habt ihr dann noch keine Kinder?" – die Russin Sophia schildert typische Aussagen aus ihrem Umfeld in einer russischen Staatszeitung. Sophia ist 22 Jahre alt und verheiratet.

Tatsächlich belegt Russland Platz vier in der Rangliste der jüngsten Bräute auf dem europäischen Kontinent – hinter Aserbaidschan, Albanien und der Republik Moldau. Russische Frauen heiraten im Schnitt mit 25 Jahren, deutsche Frauen erst mit 30 Jahren. Fast die Hälfte der russischen Frauen ist bereits bis zum 24. Lebensjahr verheiratet. In Deutschland sind es dagegen nur sechs Prozent.

Warum heiraten Paare in Russland so früh? Einerseits ist da der soziale Druck. Andererseits haben Soziologen auch eine ökonomische Erklärung. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten helfe jungen Menschen die Ehe, um Zukunftsängste abzubauen. Zusammenleben ist also wirtschaftlich sinnvoll und sichert vor Arbeitslosigkeit in Krisenzeiten ab.

Quelle: Vereinte Nationen 

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80 Prozent der russischen Bevölkerung sind für Wladimir Putin

Als Wladimir Putin am 7. Mai auf dem roten Teppich an Tausenden applaudierenden Gästen vorbeilief, wirkte es, als schreite der Präsident nicht seiner Vereidigung entgegen, sondern seiner Zarenkrönung. Egal wie sehr der ehemalige Geheimagent seine Macht missbraucht oder wie schlecht in den vergangenen Jahren die Wirtschaftsdaten waren, die russische Bevölkerung steht eisern hinter Putin. In Meinungsumfragen des Lewada-Zentrums unterstützen 80 Prozent der Russen ihren Präsidenten. Ein Jahr nach der Annexion der Krim waren sogar 86 Prozent pro Putin eingestellt. Während der gesamten politischen Laufbahn Putins ist seine Popularität nie unter 60 Prozent gesunken.

Besonders populär ist die Krim-Annexion. Mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer befürwortet den Schritt, der außerhalb Russlands weithin als Völkerrechtsbruch gesehen wird. Zwei Drittel der Russen finden die Eingliederung der Krim richtig oder überwiegend richtig. 

Dramatisch verschlechtert hat sich hingegen die Haltung der Russen gegenüber den USA. Ein Jahr vor der Annexion waren noch 37 Prozent gegen die USA und ihre Russlandpolitik. Anfang 2015 waren es bereits 80 Prozent. Seit US-Präsident Donald Trump im Amt ist, haben die USA allerdings wieder ein paar Sympathiepunkte gesammelt.  

Quelle: Lewada-Zentrum

© Sergei Karpukhin/Reuters

6 Punkte von 10
geben die Russen ihrer Lebenszufriedenheit

Wann ist der Mensch zufrieden? Per Definition, wenn er innerlich ausgeglichen ist und keine unerfüllten Bedürfnisse hat. Aber wer kann das schon von sich behaupten? In der russischen Bevölkerung gibt es vor allem ein großes unerfülltes Bedürfnis: mehr Geld verdienen. Für die Einkommenssituation gaben die Russen lediglich 0,9 Punkte von zehn möglichen im Better-Life-Index der OECD ab. Mit dem Gesundheitszustand der Bevölkerung (3,6) und der Umweltqualität (2,5) sind sie ebenfalls nicht besonders zufrieden.

Allerdings liegen die Russen mit sechs Punkten für die allgemeine Lebenszufriedenheit nah am OECD-Durchschnitt (6,5). In Ländern wie Griechenland, Ungarn, Portugal und der Türkei waren die Durchschnittswerte mit 5,5 oder weniger verhältnismäßig niedrig.

Es gibt auch Lebensbereiche, die von den Russen sehr gut bewertet werden. So bekommen zum Beispiel das Bildungsangebot mit 6,5 und die Work-Life-Balance mit 8,1 deutlich mehr Zufriedenheitspunkte als im OECD-Durchschnitt.

Der Index versucht nicht, die aktuelle Gemütslage der Menschen zu erfassen. Sie sollen ihr Leben in einem größeren Zusammenhang einschätzen. Am zufriedensten sind übrigens die Norweger (10). Die Deutschen wirken mit 7,9 Punkten auch relativ ausgeglichen.

Quelle: OECD

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66 Jahre alt werden russische Männer im Durchschnitt

Wodka bringt Russlands Männer früh ins Grab. Das ist ein gängiges Klischee. Russische Frauen leben durchschnittlich elf Jahre länger als die männliche Bevölkerung. Sie werden 77 Jahre alt, Männer dagegen nur 66 Jahre. In Deutschland sterben Männer im Schnitt mit 77 Jahren, fünf Jahre früher als Frauen. Zwar leben Frauen weltweit länger als Männer. Aber warum sterben russische Männer so viel früher?

Tatsächlich ist am Wodka-Klischee etwas dran. Gesundheitsexperten zählen übermäßigen Alkoholkonsum und seine Folgen zu den häufigsten Todesursachen russischer Männer. Laut einer Studie, die 2014 im britischen Fachjournal The Lancet veröffentlicht wurde, starb jeder zweite Teilnehmer im Verlauf des zehnjährigen Beobachtungszeitraums aufgrund seines Alkoholkonsums.

Im letzten Erhebungsjahr der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lag der Pro-Kopf-Konsum reinen Alkohols in Russland noch bei 15 Litern. Die WHO geht zwar davon aus, dass der Konsum bis heute leicht gesunken ist. Russische Männer trinken allerdings doppelt so viel wie Frauen. 2010 waren es 32 Liter purer Alkohol pro Mann. Russen trinken außerdem hauptsächlich Schnaps, auch hier stimmt das Klischee.

Die durchschnittliche Alkoholmenge erklärt aber nicht allein die hohe Todesrate, auch die extrem starken einzelnen Besäufnisse sind daran schuld. Die enden häufig mit Alkoholvergiftungen, führen zu Gewalt, Unfällen oder Suizid.

Quelle: OECD 

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Auf Platz 135 liegt Russland im weltweiten Korruptionsindex

Ein Kindergartenplatz trotz langer Warteliste, ein Einzelzimmer in der Entbindungsstation, ein Diplom einer Provinzuniversität, das lässt sich in Russland manchmal am besten unbürokratisch regeln. Jeder dritte Russe hat schon einmal einen Beamten geschmiert, um öffentliche Dienstleistungen zu erhalten. Das stellte Transparency International nach drei Jahren Datenerhebung fest.

Demnach gehört Russland zu den 50 inaktivsten Staaten im Kampf gegen Korruption und erreicht von 180 Ländern nur Platz 135. Die Antikorruptions-NGO hat die Staaten in eine Skala von null bis hundert eingeteilt. Die Null steht für grassierende Korruption. Hundert Punkte gibt es für absolut korruptionsfreie Länder. Russland bekam nur 29 Punkte. Wichtige Kriterien waren Pressefreiheit, Vertrauenswürdigkeit von Beamten, Unabhängigkeit der Gerichte sowie die Transparenz des Staatshaushalts. In Neuseeland (89) und Dänemark (88) geht es demnach am ehrlichsten zu. Auf dem letzten Platz landete Somalia.

Laut einer Umfrage des Lewada-Zentrums glauben 79 Prozent der Russen, dass die Korruption alle russischen Staatsbehörden durchdringt. Auf allen Ebenen: von bestechlichen Kommunalbeamten bis hin zu den mehrheitlich so wahrgenommenen korrupten Eliten.

Quelle: Transparency International

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150 Stunden dauert eine Reise mit der Transib quer durch Russland

Mit 9.288 Gleiskilometern ist die Transsibirische Eisenbahn – kurz Transsib – die längste Bahnstrecke der Welt. Die Fahrt dauert ohne Zwischenstopp 150 Stunden von Moskau im Westen bis nach Wladiwostok am Pazifik. Der Bau der Transsib sollte Ende des 19. Jahrhunderts die einheimische Wirtschaft in Fahrt bringen. Zu Spitzenzeiten bauten über 100.000 Arbeiter gleichzeitig an der Bahntrasse.

Die Transsib durchquert fast ganz Eurasien von West nach Ost. Etwa 20 Prozent der Strecke liegen in Europa, 80 Prozent in Asien. Wer sich gern sechs Tage lang unterhält, schläft, isst, liest und aus dem Fenster schaut, sieht 400 Stationen, 89 Städte und 16 Flüsse Eurasiens an sich vorbeiziehen.

Der Personenzug durchquert die Permafrostzone, in der es im Winter minus 62 Grad Celsius kalt wird. Transsib-Reisende fahren insgesamt durch vier verschiedene Landschaftsformen: die Wolga-Ebene, das Uralgebirge, die westsibirische Steppe und die ostsibirische Bergtaiga. Reiseleiter empfehlen in jedem Fall einen Halt in Irkutsk. Von der quirligen Universitätsstadt kann man einen Abstecher zum tiefsten See der Welt, dem Baikalsee, machen.

Quelle: Russian Railways